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Innenstadt von Neumünster : Werbeaufsteller spalten die Gemüter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die geplante Satzung für die Innenstadt trifft bei Händlern und Gastwirten auf begeisterte Zustimmung, aber auch auf totale Ablehnung.

Neumünster | In Handel und Gastronomie wird die neue, von der Verwaltung geplante Satzung, mit der Werbebanner und Gehwegaufsteller aus der Innenstadt verbannt werden sollen, sehr kontrovers gesehen und diskutiert.

In der Gastronomie gibt es unterschiedliche Meinungen über die neue Satzung. Sönke Thieme vom Klatsch-Palais findet den Plan der Stadt gut. Er ist dafür, die Aufsteller komplett zu verbieten. „Wo fängt man sonst an, und wo hört man auf?“, fragt er. Dass Gastronomen draußen auf eine wertigere Optik ihrer Möbel achten sollen, begrüßt er ebenfalls. „Die Werbung auf den Sonnenschirmen stört die Stadt nicht, und das ist auch richtig so“, meint Thieme.

Rainer Kuck vom Kontraste findet auch, dass beispielsweise die Lütjenstraße nicht mehr schön aussieht. „Ein Aufsteller pro Geschäft sollte aber erlaubt sein. Die müssten nur nah am Haus stehen und nicht mitten auf dem Fußweg“, meint Kuck. Die klassische Schiefertafel vor einem Lokal, auf der beispielsweise das Gericht des Tages angeboten wird, findet Kuck nicht störend – ebenso wenig wie den Schriftzug einer Brauerei auf dem Rücken eines höherwertigen Stuhles vor einem Lokal.

Kaufmann Gerd Grümmer kann die geplante Gestaltungsrichtlinie als Unternehmer und Vizepräsident des Einzelhandelsverbands-Nord „nur begrüßen. In der Lütjenstraße ist das extrem mit den Aufstellern. Der reinste Hindernislauf. Weg damit!“

Dirk Dade (Sack & Pack) könnte seinen Aufsteller ein Stück weiter auf Privatgrund rücken und wäre dann nicht mehr betroffen. Er hat „grundsätzlich Verständnis für das Ziel, den Aufsteller-Wildwuchs etwas zurückzuschneiden“. Aber hier werde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Dade: „Es wird gesagt, was nicht mehr gewollt ist. Aber mir fehlt ein klares Konzept für die Innenstadt.“ Evelyn Müller (Firma „Horn, die Art zu leben“) findet: „Aufsteller in Maßen stören nicht, sondern beleben eine Innenstadt – solange alles sauber und ordentlich aussieht.“ Bezeichnend findet sie, dass das Citymanagement mit Plakaten für die schöne Innenstadt wirbt. Müller: „Und was ist darauf abgebildet? Plastikstühle!“

Zwei Jahre lang arbeitete die Verwaltung laut Stadtsprecher Stephan Beitz an dem Entwurf, der erst der Gastronomie und dann dem Einzelhandel vorgestellt wurde. Jetzt wird er politisch beraten. Beitz: „Wird die Richtlinie umgesetzt, dann betrifft das auch die Stadt.“ Werbeaufsteller bei der Tourist-Information oder städtischen Gesellschaften wie der Wobau oder den Stadtwerken wären dann nicht mehr möglich. Beitz: „Hier gilt: alle oder keiner.“

In der Lütjenstraße sind die meisten Befragten gegen ein Aufsteller-Verbot. „Ich gehe unter zwischen Handyläden. Als ich mit einem Aufsteller Schlüssel beworben habe, stieg die Nachfrage deutlich – also droht ein Umsatzrückgang“, sagt Udo Dehmel vom Schuh- und Schlüsseldienst. Die Innenstadtsatzung ist für ihn eine „PR-Veranstaltung für das ECE: „Die Kaufkraft wird abgezogen, jetzt kommt das noch obendrauf.“ Die Stadt habe versprochen, etwas für die Innenstadt zu tun, aber „das läuft jetzt in die andere Richtung.“ Sein Vorschlag: ein bis zwei Aufsteller maximal zulassen.

Bewusst Aufsteller reduziert hat Klaus Ruser (Photo-Ruser): „Wir haben 60 Zentimeter breite Flaggen, eine pro Geschäftsraum. Die Kunden sollen die Auslagen ausgiebig betrachten können. Aber komplett auf Null zu setzen, halte ich für falsch. Die Händler sollten die Chance bekommen, auf spezielle Angebote hinzuweisen. Sein Vorschlag: „dezente hübsche Werbung in Maßen.“ Die erhöhten Gebühren für Warenpräsentation seien eine Ungleichbehandlung.

„Eine kahle Optik“ und den Verlust an Werbemöglichkeiten befürchtet Mustafa Uyar vom Base-Shop: „Man sollte einen gesunden Kompromiss finden.“ Eine Alternative wäre Lichtwerbung.

Pro Aufstellerverbot ist Bäckerei-Chef Hans-Jürgen Tackmann: „Ich begrüße das ausdrücklich. Seit zehn Jahren befürworte ich das, denn es ist peinlich, wie das jetzt aussieht.“

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erstellt am 21.Okt.2014 | 17:00 Uhr

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