Gerichtsbericht : Wer war der Drahtzieher?

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Im Brandprozess vor dem Landgericht beschuldigen sich die Angeklagten gegenseitig.

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09. Januar 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | Wer war der geistige Brandstifter? Wer hatte die Idee, das Haus an der Bahnhofstraße 40 in der Nacht zum 15. September 2013 anzustecken, um 500  000 Euro von der Versicherung zu kassieren? Im Prozess vor dem Kieler Landgericht beschuldigen sich die Angeklagten zurzeit gegenseitig als Drahtzieher.

Seit August müssen sich fünf Männer wegen schwerer Brandstiftung verantworten (der Courier berichtete). Laut Anklage sollen zwei Brüder (31 und 37) im Auftrag des finanziell angeschlagenen Hausbesitzers (32) in dem Mehrfamilienhaus Feuer gelegt haben. Zwei Bekannte, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen zuvor bei der Planung geholfen haben.

Der Kaufmann, der das Mehrfamilienhaus zum Teil verwaltet und einst an den 32-Jährigen verkauft haben soll, erinnerte sich vor Gericht jetzt an ein Treffen im Restaurant des Gastwirts. Als er in seinem Stammlokal von den finanziellen Problemen des Hauseigentümers berichtete, habe der Gastwirt erzählt „wie man das in Italien lösen würde“. Schnell sei von „zwei Experten aus Hamburg“ die Rede gewesen, „die auf so was spezialisiert“ seien. Für eine Vermittlerrolle habe der Wirt 15000 Euro verlangt. Dass letztendlich der Koch des Restaurants mit seinem Bruder zündelte, habe er erst später erfahren, so der Kaufmann. Letztlich habe es Ärger wegen der Bezahlung gegeben. „Denn da hatte es ja gar nicht richtig gebrannt“, so der Geschäftsmann.

Der Gastwirt hingegen will von seinem Stammgast ausdrücklich um Rat gefragt worden sein. „Er sagte, ich als Italiener müsste über entsprechende Kontakte verfügen“, so der 70-Jährige. Schließlich habe sich der Koch bereit erklärt, die Sache für insgesamt 15  000 Euro zu erledigen: 5000 Euro sofort, 10  000 Euro später. Für seine Vermittlung habe er nichts kassiert. Die Geschichte von den „Experten aus Hamburg“ habe er ins Spiel gebracht, „weil sich das besser anhört“, so der Wirt.

Der Hausbesitzer ließ über seinen Anwalt wissen, dass er gegen die Brandpläne des Kaufmanns gewesen sei. Er habe ihn stattdessen aufgefordert, die Sache zu lassen. Wenig später sei er von Unbekannten bedroht worden. Auf Aufforderung habe er nach dem Feuer die Versicherungssumme geltend gemacht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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