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Theater : Wenn Landeier die Hüllen fallen lassen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit „Buer söcht Fro“ begeisterte die Hamburger Ohnsorg-Bühne die Besucher im restlos ausverkauften Theater in der Stadthalle

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 09:30 Uhr

Neumünster | Diese Aufführung hat Folgen: Mit „Landeier – Buer söcht Fro“ sorgte das Ohnsorg-Theater am Sonnabendabend im ausverkauften Theater der Stadthalle beim Publikum für feuchte Augen (von den Lachtränen), für gerötete Handflächen (vom Applaudieren) und für überstrapazierte Zwerchfelle und beste Aussichten auf Bauchmuskelkater.

Buer söcht Fro? Bauer sucht Frau? Ein RTL-Aufguss auf platt? – Weit gefehlt!

In der Inszenierung von Sandra Keck geht es in der Komödie von Frederik Holtkamp (plattdeutsch von Heino Buerhoop) um die Not in der norddeutschen Tiefebene. Da, wo Orte Lütjenbüll oder Klotenbühl heißen. Und Bauern Jens Jansen oder Jan Jensen. Wo man mit „Moin“ auch abends in der Kneipe grüßt. Und wo der Wirt weiß, was den Jungbauern fehlt: Sexueller Notstand, chronischer Frauenmangel, daran krankt das Leben auf dem Lande. Dagegen muss etwas getan werden. „Wat mutt, dat mutt“, ist man sich beim Korn am Tresen einig.

Gastwirt Hein (Wolfgang Sommer) treibt das Bauerntrio Jan, Jens und Richard zur Brautwerbung an. Die ersten Versuche mit Kontaktanzeigen scheitern. Was nun? Ein Internet-Video muss her. Gesagt getan! Auch wenn sich Jens (wunderbar dösig gespielt von Robert Eder) anfangs etwas umständlich gibt: „Doar is keen Kassett bin.“

Wie da zwischen Sau und Schaf posiert und dabei zweideutig-eindeutig über Spritztouren oder Schweinereien schwadroniert wird – das ist zwar schlicht, doch zum Schreien komisch. Zumal die Akteure mit viel Situationskomik den Tücken bäuerlicher Selbstinszenierung trotzen – vom Sturz in die Schafstränke bis zur hakenden Kamera. Das Publikum gluckst und kreischt schon vor der Pause. Und danach noch mehr. Denn dann führen die blonde Studentin Lavinia (Hanka Schmidt) und Postbotin Gertrud (Edda Loges) die Video-Regie.

Jetzt müssen die Bauern bügeln und backen, wobei schon Sätze wie: „Ich muss auf meine Eier aufpassen“ für erhebliches Gelächter im Saal sorgen. Und weil sich die Brautwerber dabei auch noch aufreizend entkleiden müssen, fallen mit den Kleidungsstücken auf der Bühne auch alle Lachhemmungen im Publikum.

Und das liegt keineswegs nur am Striptease: Wie da Markus Gillich als Richard sein Hemd, einem Profi-Stripper ebenbürtig, hinter sich schleudert, das hat schon Stil. Wie Robert Eder sich als Jens die Latzhose vom Hintern wackelt oder Tim Ehlert als Jan beim Ausziehen stolz seinen Astralleib präsentiert – das erfreute nicht nur die Damenwelt. Unter lauten Begeisterungspfiffen und rhythmischem Klatschen aus den Zuschauerreihen zippen sich die Drei am Ende ihres Tanzes die Shorts so routiniert vom Körper, als träten sie im Trocadero auf.

Abblende, aufbrandendes Gejohle– und nach dem Happy-End ein Applaus, der die Akteure immer wieder an die Rampe lockte. „Lachen“, sagt ein Gast im Hinausgehen, „ist doch das Wichtigste im Leben“. Wat mutt, dat mutt.



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