Neumünster : Wenn Hund und Kind nach Pause rufen

Nathalie Wannek und Hund Mex brauchten an der Raststätte Aalbek eine Pause. Fotos: KIERSTEIN
Nathalie Wannek und Hund Mex brauchten an der Raststätte Aalbek eine Pause. Fotos: KIERSTEIN

Raststätte Aalbek: Hier entspannen Mensch und Hund von der anstrengenden Fahrt auf der staugeplagten A7.

shz.de von
09. August 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | Lange Autofahrten  bedeuten Stress. Vor allem auf der Autobahn 7 staut es sich jeden Tag über etliche Kilometer. Und wenn es keinen Stau gibt, dann behindern Baustellen die Fahrt. Was an normalen Tagen schon lästig ist, kann im Urlaubsverkehr, wenn sich Blechlawinen über die Autobahn schieben,   zur Tortur werden.  Gut, wenn man für eine Pause abfahren kann, um sich von den Strapazen zu erholen – so wie auf die Raststätte Aalbek.

Kaum öffnet sich die Autotür des alten Fords, springt Hund Mex schon aus dem Wagen. Erst an einem Baum auf der Wiese kommt der Mischlingshund zum Stehen. Die Hitze im Auto hat den Hund ausgelaugt. „Wir haben  leider keine Klimaanlage“, sagt Nathalie Wannek, der der Hund gehört. Nathalie Wannek und Mex  setzen sich in den Schatten der großen Bäume für eine  kurze Verschnaufpause. Sie stellt ihrem Vierbeiner eine Wasserschale hin und setzt sich zu ihm. Auch sie genießt die frische Brise nach einer Stunde Fahrt auf der A7. „Bisher war die Fahrt absolut entspannt, doch vor der Baustelle brauchen wir beiden eine Pause“, sagt sie. Sie wissen, dass vor ihnen noch einige Stunden in der Hitze des Autos warten. „Wir waren vier Tage in Eckernförde“, erzählt die Hannoveranerin.  „Wenn ich merke, dass Mex anfängt zu hecheln, machen wir eine Pause“, sagt sie.  Die beiden lassen sich vom Verkehr  nicht stressen. Sie haben Zeit mitgenommen.

Auf den Weg von Aalbek nach Hamburg freut sie sich enorm. „In der Baustelle ist 80. Da machen wir die Fenster auf und lassen uns den Wind um die Nase wehen“, sagt sie. Und wenn es doch zu warm wird, machen sie halt eine Pause im Schatten.

Kaum ist die   Hannoveranerin weg,  fährt ein Bulli auf den Parkplatz. Die Tür geht auf und Sebastian Eick streckt sich aus dem Bus. „Drei Wochen war ich mit meiner Freundin  Christina in Dänemark. Einfach mal entspannen“, sagt er.  An der Autobahn7, die eigentlich immer voll ist, führt dabei kein Weg vorbei. „Dass auf der   A7 immer  Stau droht, ist bekannt. Deshalb fahren wir in Etappen zurück“, sagt Christina Ackermann. In einem Bus mit Schlafmöglichkeit ist das  ein Luxus, den nicht jeder sich leisten kann. „In Hamburg haben wir Familie. Das werden wir heute ja schaffen, auch wenn wir in einen der Mega-Staus kommen“, sagt Sebastian Eick, rückt seine Sonnenbrille zurecht und vertritt sich etwas die Beine. Auch er sucht bei über 30 Grad den Schatten der Bäume. Im Auto sei es dank Klimaanlage allerdings angenehm.

Ein Stück weiter  sitzt ein  Ehepaar. August und Luise Bauer blättern in einer Straßenkarte. „Wie heißt nochmal die Elbinsel bei Wischhafen?“, fragt Luise Bauer. Im Register wird sie fündig. „Klar Krautsand. Da wollen wir noch hin“, sagt sie.  Die Bauers  wohnen in der Nähe von Cuxhaven. Spontan kamen sie, auch aufgrund des guten Wetters, auf die Idee, dass sie mal nach Oslo wollen.

Also rein ins Auto, Klimaanlage an, und ab über die Autobahn nach Kiel. Staus und Baustellen interessieren das Paar nicht. „Wir haben Zeit. Die braucht man hier auch“, sagt Luise Bauer. Sie nutzen die Raststätte  Aalbek, um ihre weitere Reise zu planen und einmal das Auto zu verlassen.  „Hamburg wird nochmal anstrengend besonders bei der Sonne, die eigentlich immer blendet“, so August Bauer.  „Dann können wir ja demnächst wieder los“, sagt August Bauer und steht auf. Er geht  zum Auto und das Paar verlässt den Rasthof.

Dass die beiden den Platz mit Tisch verlassen, freut Familie Vestergaard aus Dänemark. Vater Martin sinkt erschöpft auf die Bank  und lässt den Blick über das Grün schweifen. Tochter Sophie (2) brauchte auch mal eine Pause. Immerhin sitzt sie schon drei Stunden im Auto und vertreibt sich  die Zeit  mit Bilderbüchern.   „Wir wollen nach Kroatien“, sagt der Däne.

Nina Vestergaard mit Tochter Sophie (2) und Martin Vestergaard genossen den Schatten.
Nina Vestergaard mit Tochter Sophie (2) und Martin Vestergaard genossen den Schatten.

Aber  erstmal ist Kassel das Ziel.  Hier übernachtet die Familie und tritt dann die Weiterreise nach Salzburg an. Auch da wollen sie eine Nacht verweilen und erst dann zum endgültigen Ziel weiterfahren. Die Etappen hat das Paar eingeplant, da die Autobahnen unberechenbar seien.  „Reine Fahrzeit sind so 17 Stunden. Wenn es gut läuft. Aber warum stressen?“, fragt Martin Vestergaard.

Unzählige Menschen saßen schon unter den Bäumen, genossen die Verschnaufpause, um dann wieder Teil der Blechlawine zu werden, die sich nach Hamburg schiebt.  Was die Besucher dieser Tage verbindet ist eins: die Autobahn.

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