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Schultheater-Festival : Wenn Fernsehen das Leben ersetzt

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Premiere für die Realsatire "TV Nonstop" der IGS Brachenfeld. Das witzige Lehrstück über Fernsehsucht erhielt viel Beifall.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:27 Uhr

Neumünster | Fernseh-Serien ersetzen das eigentliche Leben, die Fernbedienung beherrscht den Alltag, und die reale Beziehung wird durch Dauer-TV-Konsum geschreddert: In ihrem Stück "TV Nonstop" nahmen gestern Vormittag 30 Schüler der Klasse "Darstellendes Spiel" das auf die Schippe, was bei vielen Bundesbürgern traurige Realität ist. Über eine Stunde lang gingen sie im Rahmen des Schultheater-Festivals auf eine rasante Reise zu Gerichtsmedizin-Serien, Dauerwerbung, abgehalfterten James-Bond-Kopien, gefühlstriefenden Reality-Shows und Katastrophen-Livereportagen. Die Premiere im Theater der Stadthalle wurde von über 350 Schülern mit viel Applaus gefeiert.

"Schatz, der Fernseher ist kaputt, und unser neues Bett ist da": Doch Gregor (Lukas König) schafft es nicht, seine Holde zur Zweisamkeit zu bewegen. Jutta (Nele Heilmann) ist fernsehsüchtig und lebt für Serien, Shows und vermeintliche Sensationen. In einem witzigen Kaleidoskop mit viel Sarkasmus reihen die Schüler Schlag auf Schlag gelangweilte Pathologen, Verhöre als Quizsendungen, Killer-Klischees und einen Werbe-Strahlemann (Malte Kuhlmann) aneinander, der im Stil der Dauerwerbesendungen Jennifer Thevs den "Doubleflash"-Schrubber als "Revolution der Bodenpflege" andrehen will.

In das Stück von Thorsten Böhner haben die Schüler, die gut ein Jahr geprobt und vorbereitet haben, eigene Ideen eingearbeitet. Köstlich näselt Oliver Schulz als Dieter Bohlen in einer DSDS-Jury und macht mit typischer Fäkalsprache und den Mitjuroren Malte Kuhlmann, Ewgenia Suckolska und Frithjof Ingwersen die Kandidaten nach Strich und Faden nieder. Beim interaktiven Fernsehen zappen Jutta und Gregor durch die Optionen - Frithjof Ingwersen und Lena Schlüter mimen gekonnt ihr Stelldichein als römisches Liebespaar, als Western-Girl und Cowboy à la "Spiel mir das Lied vom Tod", als Titanic-Verliebte, mit bajuwarischem Kauderwelsch oder als wilde Rap-Variante und ernten spontanen Applaus. Schrill und hart an der (vermuteten) Wahrheit agiert Louisa Breiholz als Katastrophen-Reporterin, lässt Kameramann Leif Köllner bezahlte Schwangere herbeiorganisieren, um mit Skandalnachrichten und Gefühlsduselei Karriere zu machen. Beeindruckend: Malte Kuhlmann im Hagel der durcheinandergewirbelten Werbesprüche als Mensch, der von dieser Informationsflut irre wird. Am Ende zertrümmert der frustrierte Ehemann Gregor den Fernseher mit einem Hammer und erhält zustimmenden Beifall. "Gut gemacht, das war ganz witzig, mit viel Humor und locker gespielt", finden Nico Regelin (15) und Kiron Braun (16). Nico gefielen vor allem die Reporter-Szenen. "In Wirklichkeit fragt man sich auch schon mal, wie echt die Informationen im Fernseher sind", sagt er.

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