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Neue IHK-Reihe : Wenn es bei der Firmenübergabe hakt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Betriebsnachfolge war Thema beim 1. Unternehmerfrühstück in der IHK-Geschäftsstelle. Format soll ständige Veranstaltungsreihe werden

von
erstellt am 13.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Waren vor 15 Jahren noch 15 Prozent der Unternehmenslenker älter als 60 Jahre, ist es inzwischen bereits jeder Vierte. „Das gibt dem Thema Unternehmensnachfolge die Schärfe“, sagte Lutz Kirschberger, Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer am Sachsenring. Dort feierte gestern das Unternehmerfrühstück Premiere.

Dass eine Betriebsübergabe ein recht komplexer Prozess ist, machten die beiden Referenten, die Anwältin und Notarin Kathrin Ackermann aus Kiel und Steuerberater Tjark-Ture Dierks aus Neumünster, deutlich. Und es lauern dabei nicht nur rechtliche und steuerliche Fallstricke. „Ganz häufig scheitert es am menschlichen Faktor“, sagte Dierks, der auch ausgebildeter Wirtschaftsmediator ist.

Gescheiterte Unternehmensübergaben können das Aus für die Firma bedeuten und Arbeitsplätze kosten. Selbst wenn ein Betrieb gut läuft, ist es oft ein Problem, einen Nachfolger zu finden, so Dierks. „Wir haben hier branchenübergreifend einen Wandel der Mentalität. Es gibt viel weniger Menschen, die die Selbstständigkeit wagen wollen“, sagte Kathrin Ackermann. Laut IHK-Geschäftsstellenleiter Lutz Kirschberger ist die Zahl derjenigen, die einen Betrieb übergeben wollen, um ein Drittel höher als die derjenigen, die übernehmen wollen.

Ernst-Otto Rönnau (61), Geschäftsführer der Firma Holzbinder Voss aus Nortorf, ist da in einer glücklichen Lage. Einer seiner beiden Söhne möchte den Betrieb fortführen. Hans Werner Löpthin bleibt dagegen möglicherweise nur ein Verkauf. Von den fünf Kindern möchte keines den seit 1907 in der Familie betriebenen Konditorei-Betrieb übernehmen. Gastronom Rainer Kuck erhoffte sich konkrete Tipps, wie eine Übergabe funktioniert. Falk Münchbach ist im Bereich der Führungskräfte-Entwicklung tätig und wollte gezielt neue Netzwerke knüpfen. „Ich möchte ein Unternehmen übernehmen“, nannte Betriebswirt Dr. Jens Bartram sein Motiv, zur Frühtücksrunde bei der Industrie- und Handelskammer zu kommen.

Die beiden Experten Ackermann und Dierks hatten wichtige Tipps parat und geben die auch beim IHK-Beratungsangebot „Stabwechsel“ preis. Es ist eine gute Möglichkeit, einen unabhängigen Blick von außen auf das eigene Unternehmen zu erhalten, betonte Julia Lüthjohann von der IHK. Die drei IHK-Kammern im Land bieten daneben eine interne Unternehmensdatenbank zum Thema Unternehmensnachfolge und die Online-Börse „Nexxt Change“. Die Zeitplanung ist ein wichtiger Faktor, erfuhren die Teilnehmer von Tjark-Ture Dierks und Kathrin Ackermann: „Weichenstellungen, etwa beim Wechsel der Gesellschaftsform, benötigen Zeit.“ Ein Unternehmen müsse auch „übergabereif“ sein, und dieser Prozess könne schon durchaus fünf Jahre oder länger dauern. Die Ermittlung des „richtigen“ Kauf- beziehungsweise Verkaufspreises sei dagegen schwierig, die Realität oft ernüchternd. Die beste Chance sei es, jemanden aus der Familie oder den eigenen Reihen im Unternehmen für die Nachfolge aufzubauen.

Und einen ganz wichtigen Rat hatten die Fachleute: Jeder sollte einmal seinen eigenen Tod durchspielen. Was passiert dann mit der Firma? Ackermann: „Ein Testament und eine Vorsorgevollmacht sind ganz wichtig.“ Die IHK bietet auch hierfür Notfallhandbücher.

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