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Holsteinischer Courier

25. September 2017 | 17:07 Uhr

Neumünster : Wenn Eisbären Pfötchen geben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nicht nur sein Gehege wird aufgefrischt: Eisbär Kap aus Neumünster absolvierte während der Umbauarbeiten ein spezielles Trainingsprogramm in Hannover.

von
erstellt am 23.Apr.2014 | 16:41 Uhr

Neumünster/Hannover | Die Szene wirkt ein wenig skurril: Benedikt Knüppe hält Kap eine kleine Platte an einer langen Stange vor die Nase. Der Eisbär fixiert das sogenannte Target und setzt sich. Auf Kommando hebt er seine rechte Pfote und streckt sie dem Tierpfleger entgegen. Was wie eine Zirkusübung aussieht, ist ein besonderes Training. Der landesweit einzige Eisbär aus dem Tierpark Neumünster macht derzeit im Zoo Hannover „Behavioral enrichment“. So nennen Experten die Verhaltensanreicherung von Tieren in Gefangenschaft, die keine Gelegenheit haben, Geist und Körper gemäß ihren genetischen Anlagen einzusetzen.

Seit fast 14 Monaten ist das im Oktober 2000 in Moskau geborene Eisbärmännchen, das eigentlich Kaplya (russisch: Tropfen) heißt, in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Seitdem wird sein Gehege in Neumünster modernisiert. „Kap zeigte Anzeichen einer Stereotypie. Er wanderte stundenlang die gleiche Strecke“, sagt die neue Tierpark-Leiterin Verena Kaspari. Sie ist eine Fachfrau für Bären, leitete vor ihrem Wechsel an die Schwale einen Bärenpark in Bayern. Das Wohl des 380 Kilo-Schwergewichts liegt ihr daher besonders am Herzen. „Das Training in Hannover dient einem stressfreierem Alltag, sowohl für das Tier als auch für die Pfleger“, sagt die 34-Jährige. Wichtig ist dies vor allem für die medizinische Versorgung. Mache der Eisbär auf Kommando sein Maul auf, könne man die Zähne untersuchen. Reicht er dem Pfleger die Pfote, lässt sich sogar Blut abnehmen. Selbst Transporte wie der zurück nach Neumünster kann Kap ohne Narkose machen. Eine Spritze ist schließlich immer ein Risiko.

Verhaltensanreicherung bedeutet für die Tierpark-Leiterin aber mehr. Auch der Lebensraum des Tieres im Zoo müsse stimmen, sagt sie. Wenn Kap um Himmelfahrt herum aus Hannover zurückkommt, ist aus seinem ehemals betondominierten Terrain ein Park für alle Sinne geworden. Verschiedene Untergründe wie Kies, Sand, Mutterboden oder Schreddergut regen den Tastsinn an. Unterschiedliche Gewürze animieren den feinen Geruchssinn. Ein schiebbarer Baumstamm, wechselndes Spielzeug in den drei insgesamt 300 Kubikmeter fassenden Wasserbecken und verpacktes Futter sollen sicherstellen, dass keine Langeweile und Monotonie aufkommt. „Ein beschäftigtes Tier ist zufriedener und wird seltener krank“, sagt Kaspari.

Kritik, die Außenanlage mit ihren gut 1000 Quadratmetern und die 130 Quadratmeter Stallungen seien auch nach dem Umbau zu klein, weist die Diplom-Biologin ebenso entschieden zurück wie die Behauptung, Kap sei durch einen fehlenden Partner verhaltensgestört. „Eisbären sind Einzelgänger. Und in der Wildnis laufen sie nur hundert Kilometer am Tag wegen der Futterknappheit.“ Im Tierpark aber bekommt Kap täglich sein Futter. Doch dauerhaft allein bleiben soll das Männchen im besten Alter nicht. „Wir sind in Gesprächen mit dem Zuchtbuch, um vielleicht ein Weibchen zu bekommen“, sagt Kaspari. Geplant sind dann auch Eisbärbabys, doch darauf kann sich Kap selbst in seinem Trainingslager nicht vorbereiten.
 

> Der Tierpark Neumünster an der Geerdtsstraße 100 im Stadtwald ist bis Ende August von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 8 Euro, Kinder zahlen 4,50 Euro, Familien (zwei Erwachsene und zwei Kinder) 21 Euro.

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