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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 08:43 Uhr

Wenn einer eine Reise tut . . .

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:35 Uhr

…dann kann er was erzählen. Drum nahm ich meinen Stock und Hut, und tät das Reisen wählen.“ So spricht es Herr Urian in dem von Matthias Claudius verfassten und von Ludwig van Beethoven vertonten Gedicht „Urians Reise um die Welt“. Ein Mann macht sich auf die Reise um die Welt. Und alles, was er in seinen Koffer packt, ist ein Stock und ein Hut. So einfach kann Kofferpacken sein!

Kofferpacken – wenn es doch nur immer so einfach wäre! Wie gut, dass es das Internet gibt. Ein bis zwei Klicks und ich weiß, was ich für meine Reise brauche. Unter ‚Kofferpacken.com‘ erhalte ich als post-post-moderner Mensch alle nötigen Infos zum knitterfreien Kofferpacken. Alles natürlich auch als „App“ fürs Smartphone, das versteht sich von selbst. Kofferpacken ist schon richtig einfach geworden! Vorausgesetzt, man macht sich vorher vielleicht auch noch Gedanken, wo es hingehen soll.

Ach ja, so ganz nebenbei, was packt man eigentlich in den Koffer, wenn die ‚letzte Reise‘ ansteht? „100 Koffer für die letzte Reise“ – so heißt ein Projekt des im letzten Jahr verstorbenen Trauerbegleiters Fritz Roth aus Bergisch-Gladbach. Roth hat 100 Menschen einen Koffer zugeschickt mit der Bitte, diesen für ihre letzte Reise zu packen. Ein Anliegen dieser Aktion war es, sich zu besinnen: auf die Endlichkeit jedes Lebens, auf die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, auf das, was jedem wichtig ist. Die Ergebnisse sind in Form einer Ausstellung, eines Films sowie als Buch mit dem Titel „Einmal Jenseits und zurück – Ein Koffer für die letzte Reise“ zugänglich.

Schaut man sich die mehr oder minder bepackten Koffer an, so wird deutlich: Die Inhalte der Koffer sind so vielfältig wie die Menschen und ihre Biographien, ihre Träume und Weltanschauungen. In der Gesamtschau ergibt sich ein berührendes Bild dessen, was uns wirklich nahe ist – oder dessen Nähe wir uns wünschen. So schreibt beispielsweise der Künstler Alfred Arnold: „Mein Koffer ist leer – weil ich spüre, dass ich nichts mitnehmen kann in den Himmel. Der Koffer ist nur noch ein Fragment – als Erinnerung an das irdische Reisen.“

Kofferpacken für die letzte Reise – dafür gibt es noch nicht einmal im Internet eine Anleitung. Den Inhalt muss jeder für sich selbst bestimmen.

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