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Ausstellung : Wenn die Anmache zur Gewalt wird

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ausstellung in der Elly-Heuss-Knapp-Schule soll jungen Menschen Mut machen, sich gegen sexualisierte Gewalt zu wehren

Mit einem ermunternden Spruch legt der Chef der Praktikantin die Hand auf die freie Schulter. Der Klassenclown scherzt gern mal über die Oberweite seiner Mitschülerinnen. Und der neue „Freund“ wirft in der Disko ungefragt etwas Pulver in die Cola, damit sie etwas„ gelöster“ wird. – Ist das noch plumpe Anmache oder schon ein sexistischer Übergriff?

Sexualaufklärung hin oder her, gerade Jugendliche kommen leicht ins Schwimmen, wenn sie die Grenzen zwischen Erlaubtem oder Tolerierbarem und eben unerlaubter, nicht mehr tolerierbarer sexualisierter Gewalt aufzeigen sollen. Zu groß ist oft die Angst, als zickig oder Spielverderber abgestempelt und aus der Clique katapultiert zu werden, wenn man nicht mitmacht.

An der Elly-Heuss-Knapp-Schule will man gegensteuern, Schülern und jungen Erwachsenen Mut machen, Nein zu sagen und sich gegen sexualisierte Gewalt jeglicher Form zur Wehr zu setzen – auch gegen die von Gleichaltrigen. „Echt krass – wo hört der Spaß auf ?“ nennt sich die Ausstellung, die einst von der Schule mit konzipiert, jetzt vom Kieler Präventionsbüro Petze an die Schule zurückverliehen wurde. Sie soll die Schüler für sexuelle Grenzverletzungen sensibilisieren und ihnen wertvolle Handreichungen zur Abgrenzung liefern. Ganz an der Praxis orientiert werden dabei typische Alltagsituationen vom Schulhof, aus der Disko oder dem Schwimmbad aufgegriffen und typische Handlungsmuster aufgezeigt oder in Frage gestellt. Motto: „Wie würdest du reagieren oder dich fühlen?“

Um die Wirkung der Schau noch zu vertiefen, hat die Schule vorab neun „Ausstellungsbegleiter“ – allesamt angehende Erzieher – schulen lassen, die die Besucher vorab umfassend ins Thema einführen und durch die interaktive Schau begleiten. So wird in der Vorbereitung etwa gründlich mit „Sex-Mythen“ („Sexy angezogene Mädchen sind schnell willig!“) aufgeräumt oder mit den Schülern diskutiert, welche Flirtsprüche als angenehm, unangenehm oder „geht gar nicht“ verbucht werden und warum das so ist. Auch der Bedarf für die Präventionsaktion selbst wird in der Schau dokumentiert: Immerhin 13 Prozent aller Mädchen und 3 Prozent aller Jungen zwischen 14 und 16 Jahren sind schon einmal Opfer sexueller Gewalt durch Gleichaltrige geworden. Ein Viertel aller Tatverdächtigen von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist unter 21 Jahre alt.

Rund 250 Schüler aus zehn Klassen der EHKS wollen die Ausstellungsbegleiter in den nächsten Tagen durch die Schau in der Bachstraße schleusen. Am morgigen Donnerstag, 16. Januar, steht die Schau auch externen Jugendgruppen oder Schulklassen offen. Sie sind in der Schule an der Bachstraße von 15 bis 16.30 Uhr willkommen.

Um die Aufklärungskampagne abzurunden, hat die Schule darüber hinaus externe Beratungsstellen aus dem Bereich Jugendschutz und Gewaltprävention als Partner mit ins Boot geholt.

 

Kommentar von Jens Bluhm:

Die Kraft, nein zu sagen

Ach, ja, was sind wir doch alle frei und unverklemmt. Nacktheit ist allgegenwärtig, selbst auf dem Schulhof werden via Smartphone kleine Pornofilmchen rumgereicht. Was brauchen wir da noch für Aufklärung für unsere Jugend! – Und ob! Gerade weil Sexualität immer früher in den Alltag unserer Kinder hineinrutscht, brauchen sie Unterstützung bei der sexuellen Selbstfindung. Kein Mädchen und kein Junge sollte sich ernsthaft fragen müssen, ob man beim Nachspielen der Vergewaltigungsszene auf dem Schulhof nicht doch hätte mitmachen sollen, um nicht als spießig zu gelten. Aufklärung über sexualisierte Gewalt und das Recht, jederzeit nein zu sagen, gehört in jeden Schulunterricht.

 

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erstellt am 15.Jan.2014 | 05:45 Uhr

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