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Holsteinischer Courier

12. Dezember 2017 | 08:00 Uhr

Projektstart : Weniger wegwerfen, anderen helfen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Start für das „Repair-Café“ am 11. Oktober nach niederländischem Vorbild / Ehrenamtliche helfen, Kaputtes zu reparieren / Spenden willkommen

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Neumünster | Was tun, wenn der Wollpullover Mottenlöcher hat, das Stuhlbein ab ist, das Stofftier seinen Kopf verloren hat oder der Toaster einen Kurzschluss hatte? Wegwerfen ist da die schlechteste Alternative – das dachte sich Ulrich Krebs (61) und ging zu Christiane Johannsen vom Seniorenbüro. Der Einfelder ist als Ämterlotse ehrenamtlich tätig und hatte von den „Repair-Cafés“ gehört, die es inzwischen in ganz Europa und auch weltweit gibt. Dort werden kleine Reparaturen mit Hilfe von Ehrenamtlichen ermöglicht – und jetzt startet auch in Neumünster dieses Projekt.

„Zum einen unternimmt man so etwas gegen die Wegwerfgesellschaft. Zum anderen hat das Ganze aber auch einen kommunikativen Aspekt und den Gedanken an Nachbarschaftshilfe, wobei wir die Nachbarschaft etwas weiter fassen als beim Ursprungsprojekt in den Niederlanden“, erklärte Christiane Johannsen gestern beim Vorstellen des Projekts. Laut ihren Recherchen gibt es weltweit 400 dieser Cafés, in Deutschland 153, in Schleswig-Holstein bisher eines in Schleswig. Dieses besuchte sie mit Krebs und Karsten Hiller, einem von zwölf Ehrenamtlichen im Alter von 62 bis 77 Jahren, die mitmachen möchten. Sie versprechen sich nicht nur weniger Weggeworfenes, sondern auch nette Begegnungen, Gespräche und viel Inspiration.

„Ich bin begeistert, dass es so viele sind“, sagte Pastorin Simone Bremer von der Vicelinkirchengemeinde. Das Repair-Café wird am Sonnabend, 11. Oktober, und dann jeden zweiten Sonnabend im Monat von 14 bis 17 Uhr im Haus der Begegnung, Hinter der Kirche 10, geöffnet sein – es ist aber ausdrücklich überkonfessionell gemeint. Auch wenn das Seniorenbüro der Träger ist, heißt das nicht, dass nur Ältere kommen sollen – im Gegenteil. „Wir haben hier die Chance, generationenübergreifend zu arbeiten und eine Zusammenarbeit von Jung und Alt zu organisieren, das wäre eine tolle Sache. Gerade im Bereich der IT-Technik und neuen Medien haben Jüngere besondere Kompetenzen“, meinte Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth. Ein weiterer Aspekt: Menschen, die es nicht so üppig im Leben haben, wird so unter die Arme gegriffen. „Mancher kann sich schon kleine Beträge für Neuanschaffungen nicht leisten. So trifft man hier auf freundliche Hilfe“, betonte der Stadtrat.

Ob kaputte Kleidung, Möbel, elektrische Geräte, Spielzeug oder Fahrräder – möglich ist alles. Ausdrücklich sollen die Gegenstände nicht gebracht und dann wieder abgeholt werden, sondern die Cafébesucher sollen unter fachlicher Anleitung selbst reparieren – Hilfe zur Selbsthilfe. Wer warten muss, gönnt sich Kuchen und Kaffee für einen kleinen Obolus. Das Reparieren selbst ist gratis, Spenden sind aber willkommen – um Werkzeug oder eine Nähmaschine anzuschaffen.

Talente sind in der Gruppe reichlich vorhanden: Fernmeldehandwerker, Hochbautechniker, ein „ex-Beamter mit zwei gesunden Händen“, ein Kommunikationstechniker, eine Hauswirtschafterin und eine leidenschaftliche Handarbeiterin sowie Fahrrad-Spezi Asmus Thomsen stehen bereit. Die Truppe sieht sich nicht als Konkurrenz zu Firmen: „Das sind so kleine Dinge, die man früher zu Hause repariert hat. Aber die Jüngeren werden immer weniger dazu angeleitet“, sagt Pastorin Simone Bremer. Wer mitmachen möchte, meldet sich unter Tel. 9 42 27 54. Im Internet: www.repaircafe-neumuenster.de.

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