Neumünster : Weniger Falschparker, mehr Raser

23    669 Mal zückten die städtischen Überwachungskräfte im vergangenen Jahr ihr Mobilgerät und verteilten wie hier am Waschpohl ein Knöllchen an Falschparker.
23 669 Mal zückten die städtischen Überwachungskräfte im vergangenen Jahr ihr Mobilgerät und verteilten wie hier am Waschpohl ein Knöllchen an Falschparker.

Bußgeldstelle zieht ihre „Knöllchen“-Bilanz. Zahl der geahndeten Geschwindigkeitsüberschreitungen schnellt um 51 Prozent in die Höhe.

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27. Januar 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Der erhöhte Druck bei der Überwachung von Parkvergehen scheint zu fruchten. Das zeigt die Bilanz der Bußgeldstelle. In 23 669 Fällen zückten die sieben städtischen Überwachungskräfte und das Team vom Kommunalen Ordnungsdienst 2017 ihr Mobilgerät, um Falschparker aufzuschreiben. 2016 wurden noch gut 4000 „Knöllchen“ mehr verteilt.

Entsprechend ging das Verwarn- und Bußgeldaufkommen von 392 000 auf 337 000 Euro zurück. „Wir hatten 2017 deutlich weniger Privatanzeigen und Beschwerden, etwa wegen zugeparkter Einfahrten“, sagt der Leiter der Bußgeldstelle, Max Janßen. Bei 441 Anzeigen gegenüber 804 im Jahr 2016 haben sich diese Fälle fast halbiert.

Es gebe genug Parkraum, sei es nun bei der Holsten-Galerie, im Designer-Outlet-Center oder bei Veranstaltungen in den Holstenhallen, die zudem bei der Nordbau einen Park&Ride-Service biete, sagt Janßen. Sein Fazit: „Wer falsch parkt, macht das aus Bequemlichkeit.“ Richtig teuer wird das auf einem Behindertenparkplatz. Hier gilt Null-Toleranz. „Wir lassen rigoros abschleppen“, so Janßen.

Niemand habe Anspruch auf einen kostenlosen Parkplatz. Neumünster biete im Vergleich zu anderen Städten aber überdurchschnittlich viele kostenfreie oder günstige Parkplätze an. Kontrolliert wird der ruhende Verkehr vor allem in der Innenstadt, das heißt innerhalb des Rings, vermehrt aber auch im Industriegebiet beim DOC. Janßen: „Wir gehen auch Hinweisen aus den Stadtteilbeiräten und von Bürgern nach. Darauf sind wir angewiesen, weil wir nicht überall sein können.“

Dem Rückgang der Parkvergehen steht ein starker Anstieg bei den geahndeten Geschwindigkeitsüberschreitungen gegenüber. Die Zahl der Fälle schnellte hier von 11 700 auf 17 700 – das ist ein Plus von 51 Prozent! Das Bußgeldaufkommen stieg nicht in diesem Maße von 292 300 auf auf 303 600 Euro. Janßen: „Es wird mehr gerast.“ Autofahrer nähmen Verwarngelder bis 55 Euro für geringfügige Tempoüberschreitungen eher schon mal in Kauf. Ab 60 Euro setzt es neben dem Bußgeld auch Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei.

Dort landete auch der Pkw-Fahrer, der in der Raser-Statistik im Juni 2017 für den negativen Jahreshöhepunkt sorgte: Er wurde mit 105 Stundenkilometern (nach Toleranzabzug) in der Roonstraße geblitzt. Das war mit 280 Euro Bußgeld, 2 Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot ein teurer Spaß.

„Wir werten anhand der Unfallstatistik der Polizeidirektion jährlich die Überwachungsschwerpunkte neu aus“, erläutert Janßen. Neben „Tempo 30“-Bereichen und verkehrsberuhigten Zonen vor Schulen und Kitas sind das zurzeit der Ring als zentrale Verkehrsader der Stadt, die Boostedter und Altonaer Straße sowie die Rendsburger Straße bei den Holstenhallen. Hier ist vor kurzem wegen der zunehmenden Rotlichtverstöße die Beschilderung geändert worden: Tempo 60 gilt jetzt stadteinwärts schon ab der Abfahrt zum A&B-Center.

Als Unfallschwerpunkt erwies sich auch die Kreuzung Altonaer Straße/Holsatenring. Hier stieß – wohl aus Unachtsamkeit – im September und Oktober jeweils ein Pkw mit einem Polizeiwagen zusammen, der mit Martinshorn und Blaulicht im Einsatz war.

Erste Tests zeigten Janßen zufolge, dass die beiden im November neu angeschafften Geschwindigkeitsmesstafeln mit dem „Smiley“ Wirkung entfalten. „Die durchschnittlichen Geschwindigkeiten sind deutlich zurückgegangen. Der Appell wirkt“, so Janßen. Die Stadt will deshalb auch weitere mobile und auch stationäre Messtafeln anschaffen.

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