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Halloween oder Reformationstag : Welches Fest ist das wichtigere?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Courier befragte dazu eine Pastorin und die Organisatorin einer Gruselparty heute im Projekthaus.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 12:00 Uhr

„Gib mir Süßes, sonst gibt es Saures!“ Wenn es heute Abend dunkel wird, ziehen wieder viele Kinder und Jugendliche verkleidet durch die Straßen von Neumünster, klingeln an Haustüren und sagen diesen oder einen anderen Spruch auf, um Süßigkeiten zu bekommen. Überall werden Partys gefeiert. Halloween ist für viele zu einem wichtigen Ereignis geworden.

Viel älter als dieser aus den USA importierte, ursprünglich irische Brauch ist der Reformationstag, der ebenfalls heute gefeiert wird. Er erinnert an die Reformation der Kirche durch Martin Luther.

Doch welches Fest ist das wichtigere? Das wollte der Courier von Simone Bremer und Antje Leimbach wissen. Simone Bremer ist Pastorin der Vicelingemeinde und leitet heute einen Gottesdienst in der Vicelinkirche. Antje Leimbach arbeitet beim städtischen Fachdienst Jugend, Kultur und Sport und organisiert in der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit heute Nachmittag eine Gespensterparty im Projekthaus.

Was ist für Sie das wichtigere Fest: Reformationstag oder Halloween?

Simone Bremer: Der Reformationstag. Wir Christen denken am 31. Oktober an Martin Luther und seinen Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg. Heute wissen wir, dass es diesen Thesenanschlag in dieser Form nicht gegeben hat. Die Thesen, in denen Luther seine Lehre zusammenfasst, was ihn an der damaligen (katholischen) Kirche geärgert und gestört hat, hat es aber gegeben. Und sie wurden veröffentlicht, mit dem Willen darüber zu reden und zu streiten. Martin Luther und die Frauen und Männer der Reformation deckten auf, dass die Kirche damals ihre Macht missbrauchte und sich über Gott stellte. Sie ließen die Menschen glauben, dass sie Geld zahlen müssten (Ablässe kaufen), damit ihnen ihre Schuld vergeben wird.

Kann man beide Feste auch miteinander kombinieren/versöhnen – oder ist das für Sie ausgeschlossen?
Simone Bremer: Halloween ist von seinem Ursprung her ein irisches, katholisches Fest. Am Abend vor Allerheiligen, an denen in der katholischen Kirche der Verstorbenen gedacht wird, sollen mit Gruselmasken die bösen Geister vertreiben werden. Dazu gibt es mehrere Legenden, eine erzählt vom Bösewicht Kack Oldfield, der sich selbst mit dem Teufel überwarf. Letzterer schenkte ihm eine Rübe (aus der später ein Kürbis wurde), damit er beleuchtet durch die Nacht wandern konnte. Viele Iren wanderten in die USA aus, wo es zur Verbreitung des Brauches kam. Mit Reformation hat das wenig zu tun. Deswegen würde ich die Feste auch nicht kombinieren.

Öffnen Sie die Tür und geben Kindern Süßigkeiten, wenn sie an Halloween klingeln?
Simone Bremer: Auch an meiner Tür klingeln Kinder. Manchmal sind sie sehr fantasievoll verkleidet. Ich frage sie dann immer, ob sie denn heute auch schon von Martin Luther gehört haben. Alle bekommen Lutherbonbons geschenkt. Das sind Bonbons, auf denen Martin Luther lächelt.

Was ist für Sie das wichtigere Fest: Reformationstag oder Halloween?

Antje Leimbach: Für die Kinder, die das Projekthaus besuchen, ist Halloween das wichtigere Fest. Sie können sich verkleiden, in andere Rollen schlüpfen und in der immer dunkler werdenden Zeit dem Gruseln mit Spaß begegnen. Für sie sind Fasching und Halloween Feste, auf die sie sich das ganze Jahr freuen. An den Tagen feiern Kinder verschiedener Religionszugehörigkeiten gemeinsam und erleben, wie schön Gemeinschaft ist.

Als Protestantin ist für mich persönlich der Reformationstag das wichtigere Fest. Ich freue mich darüber, dass durch Luther daran erinnert wird, dass der Glaube an die Vergebung ohne Wenn und Aber gilt. Keiner kann sich freikaufen. Vor Gott sind wir alle gleich wertvoll. Das zu wissen tut gut!

Kann man beide Feste auch miteinander kombinieren/versöhnen – oder ist das für Sie ausgeschlossen?
Antje Leimbach: Obwohl beide Feste einen christlichen Ursprung haben, sind ihre Ausrichtungen sehr verschieden. Halloween ist ein Fest, was sich über die Jahrhunderte unter anderem aus Allerheiligen und Allerseelen entwickelt hat, an denen der Verstorbenen gedacht wird.

Der Reformationstag ist ein Fest, an dem an die Erneuerung der Kirche aus sich selbst heraus erinnert wird. Beides hat seine Berechtigung und sollte für sich stehen.

Öffnen Sie die Tür und geben Kindern Süßigkeiten, wenn sie an Halloween klingeln?
Antje Leimbach: Wenn ich zu Hause bin, mache ich das. Ich finde es klasse, wenn die Kinder sich verkleiden und sich trauen, in kleinen Gruppen durch die Dunkelheit zu ziehen. Das erinnert mich an meine Kindheit, in der ich mit Freunden am Martinssingen teilgenommen habe.

Solche Bräuche bringen Menschen in Kontakt – und das finde ich auf jeden Fall gut.

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