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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 04:34 Uhr

Großflecken : Weihnachtsmarkt mit Hindernissen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kabelbrücken und fehlende Rampen erschweren Menschen mit Behinderungen den barrierefreien Zugang zum Weihnachtsmarkt.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Der Weihnachtsmarkt ist für alle da. Doch offenbar können ihn in Neumünster nicht alle genießen. Auf dem Großflecken kommen Rollstuhlfahrer an ihre Grenzen. Viele der sogenannten Kabelbrücken stellen eine unüberwindbare Barriere für Behinderte dar.

Das Ehepaar Helga und Uwe Godknecht aus Neumünster kann dieses Jahr zum ersten Mal nicht über den Weihnachtsmarkt bummeln. Uwe Godknecht sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl. „Wir wollten seit Langem wieder einen Punsch auf dem Markt genießen. Jedoch stieß die Fußstütze des Rollstuhls meines Mannes gegen die Kabelbrücken, wir konnten die Hürden einfach nicht überfahren. Unseren Ausflug mussten wir abbrechen“, erklärte Helga Godknecht.

Auch die Vorsitzende des Sozialverbandes Helga Meisner war gestern auf dem Weihnachtsmarkt. Sie hat eine Geh- und Sehbehinderung. „Nicht nur die Kabelbrücken sind ein Problem. Manche Buden sind zu hoch für mich. Dabei könnte man zumindest an denen Rampen bauen“, sagte sie.

Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Hartmut Florian, kennt die Gefahr. „Wenn die Kabelbrücken zu hoch sind, ist es sehr schwer für Menschen mit Behinderungen über diese Barrieren zu kommen. Als Lösung schlage ich sogenannte Rollstuhlrampen vor. Die könnten an den Hauptwegen aufgestellt werden“, erklärte er.

Diesem Lösungsansatz stimmt der Geschäftsführer von Elektro Klee, Michael Klee, nicht zu. Seine Firma verlegte die Kabelbrücken auf dem Weihnachtsmarkt. „Rollstuhlrampen an die belebtesten Wege zu stellen, halte ich für schwierig. Da der Weihnachtsmarkt nur aus vielen Brennpunkten besteht, nimmt das viel Platz in Anspruch. Unsere Brücken sind normgerecht. Allerdings werden sie höher, je mehr Kabel drunter liegen“, so der Geschäftsführer.

Dieter Oest (67) würde niedrigere Kabelbrücken aber begrüßen. Er war gestern mit seiner Tante Lisa Meinsen (88) auf dem Weihnachtsmarkt. Sie sitzt im Rollstuhl. Nur mit viel Kraft schaffte er es, sie über die Brücken zu schieben. „Wären sie flacher, wäre das viel einfacher. Ich kriege es hin, aber jemand, der schwächer ist, hat da schon mehr Probleme“, erzählte der Neumünsteraner.

Thorben Pries, Büroleiter des Bürgermeisters, betonte: „Bei dem Aufbau des Marktes orientierten wir uns an den Normwerten. Uns sind keine Beschwerden bekannt. Bei konkreten Problematiken sind wir aber offen, uns mit behinderten Menschen zusammenzusetzen und Verbesserungen zu finden.“

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