Neumünster : Wehr Mitte: Kasse am besten gefüllt

Zum ersten Mal müssen die Feuerwehren sich in die Kameradschaftskasse schauen lassen.
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Zum ersten Mal müssen die Feuerwehren sich in die Kameradschaftskasse schauen lassen.

Feuerwehren müssen erstmals ihre Finanzen offenlegen. Geld darf nicht für Ausstattung ausgegeben werden.

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16. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Gerüchteküche brodelte lange. Einzelne Feuerwehren in Schleswig-Holstein sollen für ihre Mitglieder Urlaube auf Mallorca gebucht oder der Gemeinde angeboten haben, ihr Einsatzfahrzeug selbst zu bezahlen – alles aus der Kameradschaftskasse, die dank potenter Spender oder Nebengeschäften wie Zeltverleih gut gefüllt war. Das wollte sich die Politik nicht länger ansehen. Im vergangenen Jahr wurde das Brandschutzgesetz nach langer Diskussion geändert und die Pflicht zur Offenlegung eingeführt. Nun liegen die ersten Einnahmen- und Ausgabenpläne vor. Zwischen gut 1000 und mehr als 14 000 Euro schwankt der Kassenbestand in Neumünster bei fünf der sechs Freiwilligen Feuerwehren. Nur die Gadelander haben noch nichts vorgelegt.

Am geringsten ist die Rücklage der Wittorfer Wehr. 1010 Euro sind dort verbucht, gerade einmal 85 Euro sollen bis Jahresende dazukommen. Die Wehr Tungendorf-Stadt hat 3400 Euro auf dem Konto, ein weiteres Plus von 1000 Euro ist geplant. Über 5130 Euro Rücklage freuen sich die Einfelder, die auf 650 Euro mehr am Jahresende hoffen. 6000 Euro sind es in Tungendorf-Dorf, hier sollen 100 Euro an Silvester mehr auf dem Konto sein. Das mit Abstand meiste Geld aber hat die Wehr Mitte. Geschätzte 14 290 Euro Rücklage stehen zu Buche. Mit 250 Euro weniger rechnen die Kameraden am Jahresende.

„Alle Kassenstände liegen im Durchschnitt der Kameradschaftskassen in Schleswig-Holstein“, sagt Bernd Schümann, Abteilungsleiter Verwaltung beim Fachdienst Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Er stellt klar: Das Geld darf nicht für Einsatzmittel ausgegeben werden. „Für Fahrzeuge oder die Schutzbekleidung ist die Kommune zuständig.“ Gemäß Runderlass des Innenministeriums vom Dezember 2016 müssen die Kameradschaftskassen auch nicht im Haushalt der Städte und Gemeinden berücksichtigt werden.

Laut der nun erstmals veröffentlichten Einnahmen- und Ausgabenpläne, die in den Ortsfeuerwehren nach dem empfohlenen Muster des Landesfeuerwehrverbandes aufgestellt wurden, hat die Einfelder Wehr mit über 9000 Euro die höchsten Ein- und Ausgaben. Neben 3750 Euro an Zuwendungen von Mitgliedern plant die nördlichste Wehr mit 4800 Euro aus Veranstaltungen. 2900 Euro sollen für die Kameradschaftspflege wieder ausgegeben werden.

Ganze 7000 Euro will die Wehr Tungendorf-Dorf über Veranstaltungen einnehmen; sie rechnet mit insgesamt 8000 Euro an Ein- und Ausgaben in diesem Jahr. Die Wittorfer Kameraden haben hier jeweils nur 2285 Euro stehen. Gerade einmal 600 Euro sind an der Mühlenstraße für die Kameradschaftspflege gebucht. Die Wehr Mitte liegt hier mit dem Haushaltsentwurf von 5800 Euro im Mittelfeld. Auffällig hier: Sowohl unter „sonstige Einnahmen“ wie auch unter „sonstige Ausgaben“ sind jeweils 1200 Euro veranschlagt.

Der Ausschuss für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz berät über die Planungen auf seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag, 23. Januar, um 18 Uhr im Lehrsaal der Feuer- und Rettungswache an der Färberstraße.

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