Baustelle Sager-Viertel: : Wehe, wenn der Steinbrecher streikt

Die gewaltige Brechanlage ist das Herzstück des Bauschutt-Recyclings. Sie kann bis zu 1300 Tonnen  Gestein am Tag zerkleinern.
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Die gewaltige Brechanlage ist das Herzstück des Bauschutt-Recyclings. Sie kann bis zu 1300 Tonnen Gestein am Tag zerkleinern.

Jeden Tag werden auf dem Sager-Gelände bis zu 1300 Tonnen Bauschutt zermahlen. Überraschungen im Untergrund drücken auf den Zeitplan

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03. Juni 2014, 06:30 Uhr

Neumünster | Es bebt, knirscht, wackelt und kreischt, wenn der Bagger mit seiner gewaltigen Schaufel die nächste Ladung in den fast drei Meter langen Schlund des großen Steinbrechers fallen lässt, aber letztlich haben die Beton- und Mauerbrocken keine Chance: Im Inneren des blauen Monstrums werden sie unter dem ungeheuren Druck von bis zu 100 Tonnen von Brechwalzen geknackt und zerrieben. Am anderen Ende spuckt die Maschine die einstigen Fundamente und Wände als handliche Brocken wieder aus – in diesem Fall mit einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern. Aber auch andere Maße sind möglich.

„Wir arbeiten sozusagen auf Bestellung “, erklärt Thomas Kuschel (39), verantwortlicher Abbruchpolier der Firma Bernd Hagen auf der Baustelle der künftigen Holsten-Galerie. Das Mischrecycling, das das blaue Monster derzeit aus den Resten des einstigen Courier-Hauses und der Häuserreihe am Teich produziert, ist bereits fest verplant: Es wandert in den Straßenunterbau eines Windparks bei Wanderup.

Und zwar zügig, denn der Zeitplan ist eng: Rund 20 000 Tonnen reinen Bauschutt muss Kuschels-Team auf dem Baustellengelände ordnen und zermahlen. Hinzu kommen rund 700 Tonnen Stahl, 400 Tonnen Gipskarton, 250 Tonnen Holz, 100 Tonnen Glas sowie Alu, Kupfer oder Zink in unbekannter Menge, die aus den gewaltigen Schutthalden herausgezogen und sortiert werden müssen – natürlich möglichst sortenrein, damit sie wiederverwendet werden können.

Angesichts der gewaltigen Schuttmengen schrumpft der Platz auf dem weiträumig anmutenden Baufeld doch gewaltig zusammen. Für die ständig pendelnden Baumaschinen und den Lkw-Verkehr müssen die Baustraßen freigehalten werden, und die Tiefbauer, die die Baustelle von der Bahnhofseite her aufrollen, sitzen Kuschel und seinem Team jeden Tag ein bisschen mehr im Nacken.

Kein Wunder, dass der Polier auf’s Tempo drückt: Bis zu 1300 Tonnen kann der blaue Steinbrecher am Tag verarbeiten. In Spitzenzeiten werden auf dem Gelände bis zu 80 Lkw-Ladungen Material abgefahren. In der Regel laufen die derzeit zehn Maschinen, die Bagger und die mächtigen „Brösler“, die Mauerwerk und Betonfundamente mit hydraulischen, tonnenschweren Kneifern zerlegen, von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend, am vorletzten Wochenende auch am Sonnabend und Sonntag, um die Straße Am Teich möglichst schnell wieder öffnen zu können.

Eine Sorge Kuschels gilt daher auch immer dem Zustand der gewaltigen Maschinen. Ausfälle sind bei der Dauerbelastung nicht ausgeschlossen. „Stillstand aber ist immer schlecht“, sagt der Abbruch-Spezialist. Notfalls kommen die Monteure auch am späten Abend oder nachts, um die Maschinen wieder flott zu machen.

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