Altes Handwerk in Neumünster : Webkunst im Museum

Teamwork ist gefragt, wenn Gerhild Schröder (82, links) und Kirsten Rolle (50) gemeinsam den Zweimannwebstuhl bedienen.
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Teamwork ist gefragt, wenn Gerhild Schröder (82, links) und Kirsten Rolle (50) gemeinsam den Zweimannwebstuhl bedienen.

Tuch + Technik: Kirsten Rolle und Gerhild Schröder zeigen Besuchern die Arbeit an den Handwebstühlen.

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09. Januar 2018, 12:00 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: Die Handwebmeisterinnen Kirsten Rolle (50) und Gerhild Schröder (82) betreuen seit der Eröffnung des Museums Tuch + Technik dort die Handwebstühle und zeigen den Besuchern, wie man daran arbeitet.

„Wir produzieren auch für den Museumsshop und halten die Webstühle instand. Die sind zwar robust, aber ein Faden reißt auch mal“, sagt Kirsten Rolle, die das Ganze als Angestellte macht. Gerhild Schröder ist ehrenamtlich engagiert.

Beide leiten auch Sonderführungen, etwa am Museumstag oder beim Webermarkt, „einfach, damit es ein lebendiges Museum wird“, so Kirsten Rolle. Daneben leiten beide auch Webkurse an der Volkshochschule.

„Die Handweberei ist auch heute noch ein Ausbildungsberuf bis hin zum Meistertitel“, sagt Kirsten Rolle. „Heute heißt das ‚Textilgestalter im Handwerk – Fachrichtung Weben‘. Ich habe Anfang der 1950er-Jahre in Bremen gelernt“, sagt Gerhild Schröder. Damals seien noch mindestens fünf Gesellenjahre und ein Mindestalter von 23 Jahren gefordert gewesen, um zur Meisterprüfung zugelassen zu werden. Die Meisterschule war seinerzeit in Sindelfingen.

Die Handwebstühle sehen auch heute noch so aus wie in vorindustrieller Zeit. Gerhild Schröder: „Das ist noch reines Handwerk.“ Kirsten Rolle: „Das Schöne daran: Der Handweber hat alle Arbeitsschritte selbst in der Hand.“ Das beginne beim Entwurf von Muster, Farben, Material über das Scheren der Kette, das Bäumen der Kettfäden, den Einzug durch das Geschirr, das ist die Hebevorrichtung, und das sogenannte Blatt, das für das Muster wichtige Verschnüren der Tritte bis hin zum eigentlichen Webprozess mit dem Webschützen. Gerhild Schröder: „Das Weben ist die Belohnung für den deutlich längeren Vorbereitungsprozess.“ Das Weben selbst könne man auch ohne Ausbildung relativ schnell erlernen. „Das Wesentliche, was auch unser Handwerk ausmacht, ist die Vorbereitung“, so Gerhild Schröder.

In Schleswig-Holstein gibt es zurzeit gerade einmal einen Ausbildungsbetrieb in Nordfriesland – und das Museum Tuch + Technik. Kirsten Rolle: „Ich selbst bilde zurzeit eine angehende Textilingenieurin in der Handweberei aus.“ Welche Voraussetzungen benötigt man für den Beruf, der in drei Jahren erlernt wird? Kirsten Rolle nennt „Kreativität, handwerkliches Geschick und Geduld“ und auch den Unterschied zum Maschinenweben: „Wir treten noch selbst in die Tritte und schießen die Schützen immer noch mit der Hand durch.“

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