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Pumpversuch : Wasserschutzgebiet soll größer werden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesamt gibt erste Erkenntnisse aus dem Pumpversuch bekannt / Bokhorst und Schipphorst gehören wohl bald mit dazu

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Das Wasserschutzgebiet Neumünster wird aller Voraussicht nach deutlich nach Osten vergrößert – und zwar bis nach Bokhorst und Schipphorst. Das geht aus den ersten Erkenntnissen des vierwöchigen Pumpversuchs der Stadtwerke und des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek hervor. Für die dann betroffenen Grundstückseigentümer, vor allem auch Landwirte, wäre das mit zum Teil erheblichen Einschränkungen verbunden. Sie könnten Dünger und Gülle nicht mehr so einfach ausbringen.

Ziel des Pumpversuchs war es, das Grundwassereinzugsgebiet des Wasserwerkes Neumünster zu erfassen. Das bezieht das Grundwasser aus Tiefen zwischen 15 und etwa 120 Metern. Zudem wurde die Schutzbedürftigkeit untersucht (der Courier berichtete). Die so gewonnenen Daten seien sehr umfangreich und würden nun mit den geophysikalischen Untersuchungen und hydrochemischen Analysen der Grundwasserqualität ausgewertet, sagt Thomas Neumann, Hydrogeologe vom LLUR.

„Der aktuelle Zwischenstand der Bearbeitung erlaubt die Aussage, dass sich das neu geplante Wasserschutzgebiet aller Voraussicht nach im Osten deutlich über die bisherige Schutzgebietsgrenze hinaus erstrecken wird, mindestens bis in die Bereiche der Ortslagen Bokhorst und Schipphorst“, so Neumann. Im Norden, Westen und Süden seien hingegen keine größeren Änderungen zu erwarten.

Mit dem zusammenfassenden Bericht rechnet der Hydrogeologe Mitte kommenden Jahres. „Nach Vorlage der fachlichen Ausarbeitungen beginnt das erfahrungsgemäß rund ein Jahr dauernde förmliche Verfahren zur Ausweisung des Wasserschutzgebietes. Dabei werden die Untersuchungsergebnisse öffentlich vorgestellt, und es besteht für die Träger öffentlicher Belange und die Bürger die Möglichkeit, die Fachberichte zu sehen und Anregungen und Bedenken vorzutragen“, erklärt Thomas Neumann.

Das derzeitige Wasserschutzgebiet umfasst 2599 Hektar (siehe Infokasten). Die entsprechende Verordnung trat 1988 in Kraft und wurde zuletzt 2002 geändert. Demnach ist das Gebiet in drei Schutzzonen unterteilt, in denen unterschiedliche Vorgaben gelten. Überall aber gilt: Betriebe, die wassergefährdende Stoffe verwenden, herstellen, lagern oder produzieren, dürfen sich nicht ansiedeln. Erdarbeiten sind nur eingeschränkt möglich (wenn überhaupt). Wärmepumpen, Campingplätze oder Sportanlagen dürfen nicht oder nur begrenzt errichtet werden. Und: Landwirte haben strenge Vorgaben.

Genau das kritisieren Heinrich Danker, Bürgermeister von Schillsdorf, zu dem Bokhorst gehört, und sein Amtskollege Dr. Thomas Bahr aus Rendswühren. Schipphorst ist ein Ortsteil der Gemeinde. „Das ist eine schwere Einschränkung für alle Viehbetriebe“, sagt Heinrich Danker. Ihn stört, dass er nicht schon während der Probenentnahmen über die mögliche Vergrößerung des Schutzgebietes informiert wurde. „Da wurden wir hinters Licht geführt.“ Thomas Bahr befürchtet, dass die neue Landesregierung die Schutzgebietsverordnung verschärft. Zudem fielen neue Dokumentationspflichten für die Landwirte an: „Da kommt noch mehr Bürokratie obendrauf. Das ist ein weiterer Hammer“, sagt er.

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