Neumünster : Wassernot ist noch kein Thema

Alexander Diertens, Leiter des Wasserwerkes, steht vor den beiden Wasserspeichern, die 10  000 Kubikmeter fassen und gut gefüllt sind.
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Alexander Diertens, Leiter des Wasserwerkes, steht vor den beiden Wasserspeichern, die 10 000 Kubikmeter fassen und gut gefüllt sind.

Unterirdische Reserven sind gut gefüllt, obwohl der tägliche Verbrauch durch die Hitze spürbar gestiegen ist.

shz.de von
30. Mai 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | Einen längeren Stromausfall kann sich jeder, nicht zuletzt durch die jüngsten Ereignisse in Lübeck, vorstellen. Doch was ist, wenn aus dem Wasserhahn kein Trinkwasser mehr kommt, die Toilettenspülungen nicht mehr funktionieren, Geschirrspüler und Waschmaschine still stehen? Nur rund 100 Kilometer von Neumünster liegt Harsefeld, und in dem niedersächsischen Ort sind die Trinkwasserkapazitäten bereits erschöpft. Bewohner dürfen ihren Garten nicht mehr gießen, müssen aufs Autowaschen und das Füllen von Planschbecken verzichten. „Davon sind wir in Neumünster zum Glück sehr weit entfernt“, sagt Alexander Diertens, Leiter des Wasserwerkes am Brüningsweg.

Elf Brunnen fördern auf dem dortigen Gelände das Trinkwasser aus einer Tiefe von 50 bis 120 Metern, im Schnitt 5,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Bis zu 9 Millionen wären möglich. „Der natürliche unterirdische Speicher ist gut gefüllt“, sagt Alexander Diertens und präsentiert eine Grafik von einem der Beobachtungsbrunnen an der Preetzer Landstraße. Einen Pegel von 24,80 Meter zeigt das Messgerät, vor einem Jahr waren es „nur“ 24,20 Meter. Ein Grund für den derzeit guten Stand ist das feuchte Frühjahr. „Die Nässe von Februar bis April hat das Reservoir gefüllt“, so Diertens. Das es nun schon seit Wochen wenig geregnet hat, merkt man im Wasserwerk dennoch: Statt durchschnittlich 16 000 Kubikmeter Wasser verbrauchen die Neumünsteraner derzeit bis zu 20 200 Kubikmeter des kostbaren Guts. Die Pumpen arbeiten auf Hochtouren.

Doch die Speicher mit 10 000 Kubikmeter Wasser sind gefüllt. Und gibt es ein Problem, ist auch noch der randvoll gefüllte Wasserturm als Reserve vorhanden. So wie erst vor wenigen Tagen, als eine Pumpe ausfiel und 15 Minuten lang nichts lief. „Das hat keiner gemerkt, weil das Wasser aus dem Wasserturm eingesetzt wurde. Das kann Neumünster etwa eine halbe Stunde lang versorgen“, sagt Diertens.

Für den Katastrophenschutz sieht der Chef der Berufsfeuerwehr, Sven Kasulke, einer längeren Dürre-Periode ebenfalls gelassen entgegen. „Anders als in anderen Städten hat Neumünster in den 90er-Jahren seine Trinkwasser-Notbrunnen nicht abgebaut. Es gibt mehrere dieser Brunnen im Stadtgebiet, die gewartet sind und autark jederzeit in Betrieb genommen werden können“, sagt er. Wie viele es sind, will Kasulke aus strategischen Gründen nicht sagen, nur so viel: „Einer liegt auch in der Nähe des Krankenhauses.“ Daneben setzt der Feuerwehr-Chef auf die Versorgung mit Mineralwasser. „Wenn kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, würden wir Paletten mit stillem Mineralwasser an Schulen und an zentralen Orten bereitstellen.“

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