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Volkstrauertag : Wasbeker gedachten der Menschen im Russenlager

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Gottedienst stand der Erste Weltkrieg im Mittelpunkt.

Wasbek | Mit einem Gottesdienst und einer Kranzniederlegung gedachten gestern anlässlich des Volkstrauertages die politischen sowie kirchlichen Gemeindemitglieder in vielen Dörfern rund um Neumünster der Opfer von Krieg und Gewalt. Während der Wasbeker Gedenkfeier standen der Erste Weltkrieg und das sogenannte Russenlager im Mittelpunkt. 3000 Menschen waren hier einst in der Gemeinde interniert.

Wasbeks Pastor Andreas Rohwer sprach im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg von der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. „Ein Krieg, bei dem Menschen zu Material wurden“, sagte er. In die Gemeinde zum Beispiel kehrten 22 Wasbeker nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Wie viele kriegsgefangene Russen, Engländer oder Franzosen im Wasbeker Lager ihr Leben ließen, ist dagegen nicht bekannt. Am 5. März 1915 trafen die ersten Gefangenentrupps mit Güterwagen ein. Wie Tierarzt Johannes Frahm berichtete, wurden sie vom Flensburger Wachpersonal mit Pickelhaube und aufgepflanzten Bajonetten empfangen.

Frahm erzählte den 80 Gottesdienstbesuchern von dem Lager in Wasbek, weil er vor etwa 33 Jahren auf seinem Grundstück Überreste des Lagers fand. Er ließ auf dem Gelände seiner Kleintierklinik ein Biotop ausheben, und in einer Tiefe von etwa 1,20 Meter kamen Fundstücke ans Tageslicht. Darunter waren zum Beispiel kleine Metallscheiben. Nach dem Putzen der Scheiben, stellte sich heraus, dass es sich um Erkennungsmarken von russischen Soldaten handelte. Koppelschlösser und eine Fülle von kleinen medizinischen Fläschchen wurde ebenso gefunden wie der kleine Porzellenkopf einer Puppe, die womöglich ein Kind seinem Vater als Glücksbringer mit auf den Weg gegeben hatte. Bierflaschen der Nortorfer Brauerei dürfen dem Wachpersonal zugerechnet werden. Die Finder waren sich einig, dass es sich hier um Überreste aus dem Russenlager handeln musste.

Der Wasbeker Johannes Frahm hakte nach und fand heraus: Hier auf seinem Grundstück in unmittelbarer Nähe der damals schon vorhandenen Bahnstrecke Neumünster-Hohenwestedt stand tatsächlich das ehemalige Wasbeker Gefangenenlager mit einer Krankenstation und Holzbaracken für rund 3000 Menschen. Das Lager wurde im Herbst 1919 geschlossen, und der Standort geriet mit dem Abriss der Gebäude in Vergessenheit.





























 

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