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shz-Wissensimpulse : Was wir von Piloten lernen können

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Buchautor und Firmen-Coach Peter Brandl erklärte 300 Gästen in der Stadthalle, wie wir unsere Fehler nutzen sollten

von
erstellt am 19.Mär.2015 | 06:45 Uhr

Neumünster | Gleich am Anfang gab es für die Gäste ein Drama mit Gänsehautfaktor: Ganze 208 Sekunden blieben der Airbus-Crew nach der Kollision mit einem Schwarm Wildgänse, um die Notwasserung auf dem Hudson River in New York zumindest zu versuchen. Aber wie kam es zu dem technisch fast unmöglichen Wunder, das am 15. Januar 2009 155 Passagieren und vermutlich vielen New Yorkern das Leben rettete und weltweit für Schlagzeilen sorgte? Peter Brandl, erfolgreicher Buchautor und selbst erfahrener Berufspilot, hat darauf eine simple Antwort: Der Kapitän habe schlicht und einfach die richtige Frage gestellt. Nicht etwa: „Oh, Mist, wo kommen die jetzt her?“ Nicht: „Warum hat uns denn keiner gewarnt?“ oder gar: „War’s das jetzt?“ Die richtige Frage habe vielmehr gelautet: „Was können wir tun?“ Von diesem Moment an sei im Cockpit alles nach x-mal geprobten To-Do-Listen abgelaufen – mit dem bekannt glücklichen Ausgang.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt – nach etwas mehr als 208 Sekunden – hatte Brandl, derzeit einer der Stars in der deutschsprachigen Szene der Firmen-Coaches, am Dienstagabend auch seine gut 300 Besucher in der Stadthalle fest im Griff – und seine erste These des Abends lebendig untermauert: „Menschen machen keine Fehler, sie funktionieren.“ Und das kann man trainieren.

Mit einer klugen Mischung aus spannenden Cockpit-Geschichten, rhetorisch angespitzten Logik-Schlüssen und einer guten Portion Wortwitz erklärte Brandl seinem Publikum zum Auftakt der shz-Vortragsreihe „Wissensimpulse“, was Firmenlenker oder alle anderen, die Verantwortung übernehmen wollen, von Piloten lernen können. Nicht weil sie klüger als andere Menschen wären, sondern weil es zu ihrem Job gehört, aus Fehlern zu lernen, wie Brandl erklärte.

Zweite Lektion: Nichts erzwingen! „Wenn Sie nachts einen Airbus landen wollen, müssen sie spätestens 60 Meter vor dem Aufsetzen die Landelichter sehen. Aber was machen Sie, wenn Sie nichts sehen?“ , fragte der Coach ins Publikum. Die richtige Antwort: „Durchstarten, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass da keine Landebahn ist.“

Das aber, so Brandl, gelte mitunter auch bei der Entscheidung im Unternehmen: Wer wirklich steuert, dürfe sich nicht an leeren Formeln orientieren. „Wir haben schon so viel investiert, wir müssen jetzt aber loslegen“ sei grundfalsch, so Brandl. Verantwortung bedeute eben auch, Fehler anzunehmen, um aus ihnen zu lernen.

Dritte Lektion: Klare Kommunikation! Firmenlenker müssten nicht unbedingt die Kommandosprache zwischen Cockpit und Tower übernehmen. Auch am Boden lauerten die Fallstricke der Kommunikation, erklärte Brandl. Viel gewonnen ist dem Coach zufolge schon, wenn Chefs oder Mitarbeiter immerhin die Möglichkeit von Missverständnissen in Betracht zögen: „Verzichten Sie auf Phrasen nach dem Muster: Das hab ich dir doch gesagt!“

Selbst die Schuldfrage ist für Brandl auf der Suche nach der richtigen Entscheidung eher kontraproduktiv: „Die Todsünde im Unternehmen sollte nicht der Fehler, sondern das Verschweigen des Fehlers sein.“

Um das zu untermauern, lud Brandl seine Zuhörer wieder in den Airbus ein: „Wie hätten Sie reagiert, wenn der Kapitän Ihnen 1000 Meter über dem Hudson River erklärt hätte, dass das Flugzeug abstürzt, das aber nicht seine Schuld sei?“ Jeder im Saal konnte die Antwort nachvollziehen. Sie lautete: „Das wäre Ihnen egal, vermutlich hätten Sie gedacht: ,Tu was!’“

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