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Nordfriedhof : „Was sind das bloß für Menschen?“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Unbekannte haben vom Grab des kleinen Niclas einen extra angefertigten Bronze-Teddy gestohlen. Der Vater ist fassungslos.

Neumünster | Die Polizei nennt den Diebstahl „besonders dreist“. Lutz Mischke fehlen einfach die Worte. Am vergangenen Wochenende stahlen Unbekannte (wie berichtet) vom Grab seines 2005 verstorbenen Jungen Niclas auf dem Nordfriedhof einen Bronze-Teddy – „mit brachialer Gewalt“, da ist sich der 41-Jährige aus Gadeland sicher: „Die haben zumindest einen Kuhfuß verwendet. Die Figur war mit drei Dübeln im Granistein gesichert, die konnte man nicht einfach abreißen.“

Nur acht Monate schlug das Herz von Niclas, dem ersten Kind des damals 30-Jährigen. „Er war am Anfang ein lebensfroher, kräftiger Junge“, sagt Lutz Mischke. Fast 5000 Gramm brachte der Kleine bei seiner Geburt auf die Waage. Aber nach nur wenigen Wochen bekam er eine Erkältung, an sich nichts Lebensbedrohliches für einen Säugling. Doch schon beim Kinderarzt fiel Niclas ins Koma, ein Koma, aus dem er nicht mehr aufwachen sollte. Der Kleine litt an der bislang wenig erforschten Stoffwechselkrankheit Morbus Leigh, einer erblich bedingten Erkrankung, bei der das Stammhirn aufgrund von Unterversorgung nach und nach verkümmert.

Die Häufigkeit der Krankheit geben Ärzte mit 1 bis 1,5 auf 10 000 an. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Das Leigh-Syndrom ist demnach eine sehr seltene Krankheit; es sind bisher lediglich einige hundert Beobachtungen gut dokumentiert. Die betroffenen Kinder sterben in der Regel Monate, seltener Jahre nach Krankheitsbeginn, vielfach infolge von Atemregulationsstörungen oder nach anderen Komplikationen. Auch Niclas hatte keine Chance mehr, obwohl sich das Team im Kieler Universitätsklinikum aufopfernd für den Kleinen einsetzte.

„Ein Kind zu verlieren ist schlimm. Aber zu sehen, wie es ihm täglich schlechter geht, ist die Hölle“, sagt Lutz Mischke. Ein Dreivierteljahr konnte er nach der Beerdigung im Familiengrab nicht arbeiten. Mit viel Liebe suchten die Eltern den Sarg und den Grabstein ihres Sohnes aus, einen schwarzen Granit mit weißer Inschrift. Der Teddy war eine Sonderanfertigung einer dänischen Künstlerin. Sie hatte auch den Sarg bemalt. „Der Teddy passte genau zu Niclas. Er symbolisierte ihn und hat mich all die Jahre an ihn erinnert“, sagt Lutz Mischke.

„Was sind das bloß für Menschen, die selbst vor Kindergräbern nicht zurückschrecken?“, fragt er und blickt traurig und verständnislos auf das Grab, das mit vielen Engeln und Figuren verziert ist. Die beschädigte Stelle am Grabstein hat er notdürftig mit einer Paste abgedichtet, der Stein soll jetzt repariert werden. Der Gesamtschaden liegt bei 800 Euro. Einen neuen Teddy wird es vorerst nicht geben. Ein wenig Hoffnung, das etwa 25 Zentimeter hohe und schätzungsweise drei Kilo schwere Erinnerungsstück wieder zu bekommen, hat er schon: „Das kann man nicht einfach im Altmetallhandel verkaufen, das wäre zu auffällig. Ich bin mir sicher, dass der Teddy irgendwo in Antikmärkten oder Flohmärkten verkauft werden soll.“

Zur Mutter des Kindes hat Lutz Mischke heute kaum Kontakt. Er ist wieder verheiratet und hat eine gesunde fünfjährige Tochter.

Hinweise auf die Täter oder den Verbleib des Teddys an die Polizei unter Tel. 945-0.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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