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Was geht in den Müttern vor, die ihre Kinder behüten wollen?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 12:45 Uhr

Zurzeit steht wieder einmal das Thema Flucht ganz oben auf der Tagesordnung. Es ist das ein weites Feld. Die Frage ist, ob man diesem Thema überhaupt gerecht wird, wenn man nicht ein dickes Buch darüber schreibt.

Es gibt viele Arten von Fluchten. Zum Beispiel die Flucht in die Sachwerte oder die vor der Verantwortung. Die sind aber nicht gemeint. Denn die gibt es als „Dauerproblem“.

Ganz anders liegen die Probleme im Zusammenhang mit Fluchten, bei denen Menschen aus Ländern mit Wirtschaftskrisen oder Kriegsgebieten fliehen. Solche Fluchten eignen sich zwar für Berichte und für Diskussionen. Man kann von ihnen Bilder zeigen, sich an Stammtischen darüber erregen oder Maßnahmen von den politisch Verantwortlichen fordern.

Aber wie sich die Familienväter fühlen, was sie denken und was sie wirklich belastet, was in den Müttern vorgeht, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder in der jetzigen Situation behüten sollen und welche Gedanken die Kinder wirklich bewegen, das bleibt im Dunkeln.

Wer hier in Deutschland kennt schon die Lebensumstände dieser Flüchtlinge, unter denen sie in ihrer Heimat lebten?

Für mich, ein ehemaliges Flüchtlingskind, werden gerade jetzt die alten Bilder wach. Alles das, was wir damals, im Jahr 1945, sahen und erlebten, ist wieder präsent, obwohl ich dachte, ich hätte es längst vergessen, verarbeitet.

Nein, tief im Inneren ist es noch da. Die Pferdewagen, die, beladen mit Menschen voller Angst, im eisigen Wasser des Frischen Haffes staken, eingebrochen, weil das Eis doch nicht hielt.

Oder da gab es auch die Tieffliegerangriffe auf die Straßen, auf denen Frauen, Kinder und alte Männer versuchten, der russischen Front zu entkommen. Das ist ja nie aufgearbeitet worden. Damit mussten wir damals alleine fertig werden.

Man kann sich sicherlich gedrängt fühlen, zu helfen. Aber wie?

Wer kann denn wirklich das Denken und die Gefühle dieser Menschen begreifen? Wer weiß denn um die wirklichen Nöte, die die heutigen Flüchtlinge dazu veranlasst haben, ihre angestammte Heimat zu verlassen?

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