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Kolumne „Diese Woche“ : Warum um alles in der Welt wurde die Gänseliesel gedreht?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Manchmal ist die Verwaltung selber schuld, wenn die Politik sie am langen Arm hungern lässt, meint Redakteur Thorsten Geil

von
erstellt am 11.Dez.2015 | 19:12 Uhr

Neumünster | Es ist ein kleiner Teufelskreis, in den die Ratsversammlung und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras sich manövriert haben. Seit etwa fünf Jahren haben sie sich gemeinsam der Sanierung des städtischen Haushalts verschrieben und damit einige Erfolge vorzuweisen – wenn auch in weiten Teilen auf Kosten der Steuerzahler. Der Abbau von Personal im Rathaus begann zwar schon in der Zeit von Tauras’ Vorgänger Hartmut Unterlehberg, aber nun scheint es eine Zeitenwende zu geben: Personal wird wieder aufgebaut.

In diesem Jahr hat die Stadt bereits zehn neue Stellen in den Kitas und sechs bei der Berufsfeuerwehr genehmigt. Und nun kommt Tauras gleich mit fünf weiteren Personalwünschen aus der Hecke (der Courier berichtete). Das ist noch nicht das Ende, denn wenn Neumünster erst dauerhafte Flüchtlinge aufnehmen muss, wird das auch zusätzliche Mitarbeiter bedeuten. Andere Städte wie Kiel und Flensburg sind schon dabei, und mittlerweile jagen sich die Behörden bereits gegenseitig die Mitarbeiter ab.

Auch in Verwaltungen geht es längst nicht mehr überall so schön muckelig zu wie früher; überall wird gespart, überall gibt es zusätzliche Arbeit aufgebrummt. Gerade in unserem Rathaus scheint es da einen Zusammenhang mit dem Krankenstand zu geben, denn der ist extrem hoch. Fachleute sagen, im Stellenplan sei keine Luft mehr, um auf zusätzliche Anforderungen oder Ausfälle reagieren zu können. Auf Personalversammlungen bekommt der OB das auch regelmäßig um die Ohren gehauen, und nun hat er schon mehrfach in den sauren Apfel gebissen und ist bei der Politik mit der Bitte um Verstärkung vorstellig geworden. Ob die ihm seine Wünsche kurz vor Weihnachten erfüllt, ist alles andere als sicher. Die Ratssitzung am Dienstag wird spannend.

Manchmal kann man aber auch den Eindruck bekommen, die Stadtverwaltung macht sich unnötig selber Arbeit und schert sich nicht um ihre Bürger, von denen sie aber bezahlt wird. Beispiel: Warum um alles in der Welt wurde die Gänseliesel nach ihrer Rückkehr auf den Gänsemarkt um etwa 180 Grad gedreht? Natürlich ist das eine Petitesse, aber für Alt-Neumünsteraner sieht es einfach ungewohnt aus. Hinzu kommt bei einigen die latente Neigung zur Verschwörung; sie vermuten, die Liesel schaue nicht mehr zum Großflecken, weil der ja durch die Holsten-Galerie abgehängt werden solle (klingt albern, aber so denken tatsächlich mehr Leute, als man sich im Rathaus vorstellen kann). Und muss man ein großer Ästhet sein, um zu finden, dass die neue Wasserpumpe auf dem Gänsemarkt allein von Farbe und Material überhaupt nicht zur Liesel passt? Es sieht einfach zusammengesucht aus.

Das kann ja alles mal passieren. Wenn dann aber der Kulturausschuss die Verwaltung bittet, die Liesel wieder umzudrehen – dann ist das zwar ein populistischer Beschluss, aber der Verwaltung fällt gar nicht ein, ihn umzusetzen. Stattdessen lässt sie sich auf juristische Scharmützel ein und meint, der Ausschuss sei für diese Frage nicht zuständig. Das ist eine einsame, höchst unsensible Entscheidung ohne gesunden Menschenverstand und ohne Gefühl. Wenn die Beamten im Rathaus wie trotzige Kinder reagieren, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn die Politiker sie beim Wunsch nach zusätzlichen Mitarbeitern erstmal am langen Arm hungern lassen.

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