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Kita-Streik : Warnstreik – aber fast überall wurde betreut

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kita-Erzieherinnen erhoffen sich mehr Wertschätzung – und bessere Arbeitsbedingungen

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erstellt am 17.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Das Tauziehen um bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas geht weiter: Acht von neun städtischen Kindergärten waren gestern erneut im Warnstreik. Zu größeren Problemen bei der Betreuung von Kita-Kindern kam es nach Auskunft der Stadt aber nicht.

Trotz des Streiks – 73 von 250 Betreuer waren nicht zum Dienst erschienen – gab es an fast allen Einrichtungen Notgruppen, die die Aufsicht von Kindern sicherstellten, deren Eltern keine Alternative gefunden hatten. „Wir wollen auf unsere Lage aufmerksam machen, die Eltern aber nicht verprellen, die stehen meist hinter uns“, begründete Liane Aschmann (58) den mit der Stadt abgestimmten Kurs.

Die Erzieherin hielt gestern gemeinsam mit mehreren Kollegen in der Kita Schubertstraße die Stellung. Obwohl sie selbst gestern nicht streikte, verteidigt die erfahrene Erzieherin den Ausstand der Kollegen. Es gelte, einen Weckruf zu setzen, die Situation der Kitas endlich nachhaltig zu verbessern. Auf die Kitas sei in den vergangenen Jahren gleich ein ganzes Bündel neuer Aufgaben zugekommen, ohne dass dabei die Kapazitäten angepasst worden seien, argumentiert Liane Aschmann: „Früher waren wir erziehungsergänzend, heute sind wir erziehungsersetzend“, hat die Kindergärtnerin erkannt: Immer öfter müssten die Kolleginnen originäre Elternaufgaben mit übernehmen: So erfahre etwa mancher Dreijährige erst in der Kita, wozu eine Gabel gut ist, einfach weil zu Hause kaum noch regelmäßig gegessen werde. Mancher Steppke absolviere nicht im Elternhaus, sondern im Kindergarten seine ersten Krabbel- und Laufversuche. Weit stärker und öfter als noch vor wenigen Jahren müssten die Erzieher eingreifen, um Defizite in der motorischen oder sprachlichen Entwicklung zu korrigieren.

„Wir nehmen diese zusätzlichen Aufgaben gerne an“ unterstreicht Aschmanns Kollegin Jana Schürmann: „Ich liebe meinen Beruf.“ Allerdings sei es frustrierend, wenn man die Hilfestellung für ein Kind ständig unterbrechen müsse, weil sonst der Betrieb zum Erliegen komme, beschreibt Schürmann den Kita-Alltag: „Wir brauchen mehr Raum, mehr Zeit und mehr Personal, um unserem Auftrag gerecht zu werden!“

Tatsächlich wurde in der Vergangenheit nicht einmal beim Raum angepasst, von Zeit- und Personalschlüssel ganz zu schweigen. Um mehr U3-Plätze zu schaffen, wurde auch in der Schubertstraße Sozialraum- und Bürofläche kurzerhand in „Grupenraum“ umgewandelt.

Dass die Bezahlung von Betreuern schon seit langem eher abschreckend auf potenzielle Berufsanfänger wirkt, wird nicht einmal bei der Stadt bestritten. Jörg Asmussen, Leiter im Fachdienst Frühkindliche Bildung, verweist auf den Fall einer teilzeitbeschäftigten sozialpädagogischen Assistentin. Die junge Frau gehe nach 19,5 Stunden Dienst mit unter 500 Euro nach Hause, berichtet Asmussen. Eine ganze Reihe Erzieher verdiene in Gastronomiebetrieben, als Reinigungskraft oder Eisverkäufer hinzu, um über die Runden zu kommen. Der Schlüssel, diese Situation zu verändern, liege jedoch nicht bei den Kommunen, betont Asmussen.

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