Rechtsextremismus : War der NSU in der Stadt aktiv?

Einig im Bündnis gegen Rechts: Heiner Wadle als Gastgeber begrüßte die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz zu einer Diskussion über     rechtsextreme  Terroristen.   Foto: Carstens
Einig im Bündnis gegen Rechts: Heiner Wadle als Gastgeber begrüßte die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz zu einer Diskussion über rechtsextreme Terroristen. Foto: Carstens

Diskussionsveranstaltung im Kulturverein KDW über rechtsextremes Terror-Trio lieferte auch Spuren, die in den Norden führen.

shz.de von
04. April 2013, 07:40 Uhr

Neumünster | Was hat der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) mit Neumünster zu tun? Welche Kontakte hatten die drei bekannten Mitglieder zu Rechtsradikalen vor Ort? Haben Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe vielleicht sogar Ziele für Anschläge im Norden erkundet? Diesen Fragen ging eine Veranstaltung im KDW am Waschpohl nach.

Als Podiumsgast hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten (VVN/BDA) Kerstin Köditz eingeladen. Die Linken-Landtagsabgeordnete aus Sachsen gehört dem dortigen Untersuchungsausschuss an und gilt als NSU-Expertin. Sie warnte auch gleich zu Beginn ihrer Ausführungen vor der These, dass es sich bei dem Terror-Trio um Einzeltäter gehandelt habe. Dem NSU wird eine Mordserie vor allem an türkischstämmigen Mitbürgern vorgeworfen; die blutige Spur zieht sich durch die gesamte Republik. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen Ende 2011 Selbstmord verübt haben (was Kerstin Köditz mit Skepsis betrachtet). Der Prozess gegen die Überlebende Beate Zschäpe beginnt in diesen Tagen in München.

Für Kerstin Köditz ist es schlichtweg unvorstellbar, dass das 1998 untergetauchte NSU-Trio 13 Jahre lang ohne Kontakte und Hilfe im Untergrund leben, Schießübungen machen und morden konnte - und nebenbei noch Urlaub auf einem Campingplatz auf Fehmarn verbrachte. Viel zu wenig Bedeutung messe die Staatsanwaltschaft den 129 Namen zu, die mittlerweile auf einer Unterstützerliste stünden.

Denn hier schließt sich der Kreis auch nach Schleswig-Holstein, sagt die Linken-Politikerin. Wahrscheinlich habe das NSU-Trio 2003 an einem Konzert mit der Neonazi-Gruppe "Whitelaw" teilgenommen, das der "Club 88" organisiert hatte. Es gebe Verbindungen nach Quickborn (Kreis Pinneberg), zu einem Ex-NPD-Funktionär in Nessendorf (Kreis Plön), nach Lübeck ebenso wie zu einem Kieler Buchverlag. Selbst im dänischen Kollund soll das NSU-Trio an einem Rudolf-Hess-Gedächtnismarsch teilgenommen haben. "Das Netzwerk ist nicht aufgedeckt", fasste Kerstin Köditz ihre Vorwürfe gegenüber den Ermittlern und Behörden zusammen.

"Die Vernetzung der Rechten ist nirgends Thema. Das aber genau ist unsere Aufgabe", appellierte sie an ihre 30 Zuhörer im KDW, die Aufklärungsarbeit voranzutreiben. In Schleswig-Holstein fehle der politische Druck, erklärte einer der Gäste. Man zeige sich lieber als "unschuldiges Urlaubsland". Dabei gebe es - Stichwort: Brandanschläge in Mölln oder Lübeck - hierzulande "durchaus eine unrühmliche rassistische Tradition".

Dr. Heiner Wadle, der Ortsvorsitzende im VVN/BDA, sah ebenfalls viele ungelöste Fragen im Zusammenhang mit dem NSU. Er war sich mit Kerstin Köditz einig, dass man - bei aller Kritik etwa am Verhalten des Verfassungsschutzes - den Kern der politischen Arbeit nicht vergessen dürfe: die Morde und Verbrechen der Neonazis. Wadle zeigte sich auch überzeugt, dass beim Gerichtsverfahren in München "noch so einiges herauskommen wird".

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