Neumünster : Wann fällt endlich Regen?

Normalerweise ist der Mais auf dem Feld von Carsten Dahmke zu dieser Jahreszeit rund zwei Meter hoch. Nun ist er mal gerade so groß wie sein Sohn Jari (9). Fotos: Meyer
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Normalerweise ist der Mais auf dem Feld von Carsten Dahmke zu dieser Jahreszeit rund zwei Meter hoch. Nun ist er mal gerade so groß wie sein Sohn Jari (9). Fotos: Meyer

Tiere und Pflanzen leiden unter der Trockenheit. Trinkwassermangel ist aber nicht zu erwarten.

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24. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | 33 Grad und es soll noch heißer werden in dieser Woche. Für Wasserratten ein Traumsommer, für die Landwirte, Kleingärtner und Tiere ist die anhaltende Trockenheit eine Katastrophe.

„Wir haben enorme Ertragseinbußen“, erklärt Landwirt Carsten Dahmke. Die Getreideerträge liegen bei einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr und auch der Mais kann nicht gedeihen. Die Körner entwickeln sich nicht, weil die Pflanze nicht ausreichend Wasser ziehen kann. Gleichzeitig wollen rund 300 Kühe plus Nachwuchs jeden Tag ernährt werden. „Zurzeit leben die Tiere von den Reserven der Mais- und Grassilage, aber es kommt nichts Neues nach, es wird also extrem problematisch im kommenden Winter“, so Dahmke. Normalerweise habe er vier- bis fünfmal Grasschnitt in einem Jahr. „Dieses Mal haben wir nur den ersten einbringen können, beim zweiten und dritten war es schon zu trocken.“

Die Landwirte in der Region müssen Stroh aus Mecklenburg-Vorpommern hinzukaufen, das mit 15 Euro pro hundert Kilo wesentlich teurer ist als in einem normalen Jahr, in dem diese Menge maximal 10 Euro kostet. „Aus Dänemark können wir auch kein Stroh bekommen, weil die Landwirte dort genauso unter der Trockenheit leiden wie wir“, sagt Dahmke.

Für die Neumünsteraner Bauern sei zu viel Nässe wie im vergangenen Jahr weniger schlimm als die Dürre: „Wir liegen auf dem Geestrücken und haben eher sandige Flächen, da ist die Trockenheit noch viel dramatischer als bei feuchteren Böden.“ Trockene Böden halten auch die Freiwilligen Wehren in den Umlandgemeinden von Neumünster in Atem. Immer wieder entzünden sich staubtrockene Felder. „Im Stadtgebiet sind die Einsätze aber nicht signifikant gestiegen“, sagt Henning Liebke von der Abteilung Vorbeugender Brandschutz der Berufsfeuerwehr. Dennoch liege die Waldbrandgefahr bei Stufe 4 von 5. „Das Risiko, das achtlos weg geworfene Kippen oder offene Feuerstellen und Grills zu Bränden führen können, ist bei so einer Trockenheit natürlich viel höher“, warnt Liebke.

Mini-Himbeeren und -Johannisbeeren findet Hans-Heinrich Graefe in seinem Kleingarten an den Störwiesen. „Man kommt mit dem Gießen einfach nicht mehr hinterher und sorgt nur noch dafür, dass die Pflanzen am Leben bleiben“, sagt der Kreisvereinsvorsitzende der Kleingärtner. Er gießt alle zwei bis drei Tage die Wurzeln seiner Blumen und Sträucher. Der einzige Vorteil sei, dass auch das Unkraut den Temperaturen nicht mehr standhalte.

Lebensbedrohlich ist die Trockenheit für die Insektenwelt. Denn, wenn keine Blume blüht oder nicht ausreichend Wasser erhält, um Nektar bilden zu können, bekommen auch die Hummeln, Schmetterlinge und Bienen nicht ausreichend Nahrung. „Dabei ist Abhilfe ganz einfach“, sagt Sabine Rieger. Sie sieht das Problem in Gärten, die wenig artenreich angelegt werden und in denen überwiegend Rasen wachsen soll: „Wenn man einfach darauf achtet, dass immer etwas im Garten blüht und viel Wasser morgens und abends gießt, kann jeder helfen“, rät die Hobby-Gärtnerin. Zudem stellt sie Wasserschalen auf, in die sie Hölzer oder Steine legt, damit kein Tier ertrinkt. Auch Zucker- und Fruchtzucker-Mischungen rührt sie für die Insekten an. „Für die Vögel habe ich zudem Fettfutter aufgehängt – dohlensicher hinter Gittern“, sagt Sabine Rieger.

Wasserschalen haben auch Unbekannte im Stadtwald am Durchgang zum Friedenshain aufgestellt, an denen sich die Wildtiere bedienen sollen.

Eine gute Nachricht: Einen Mangel an Trinkwasser gibt es noch nicht. „Dazu müsste der erhöhte Wasserbedarf bei permanenten 24 000 Kubikmetern pro Tag liegen“, erklärt Alexander Diertens, Leiter des Wasserwerkes. Derzeit sei der Bedarf wegen der Urlaubszeit aber eher zurück gegangen. Der Spitzentag lag im Mai bei einem Verbrauch von 22 000 Kubikmetern, im Juli wies der Spitzentag 18 600 Kubikmeter auf.

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