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Bandidos MC Northgate : Wahlstedt: Neonazi-Konzerte im Rocker-Club

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Besteht in der Rockerszene in SH ein Neonazi-Netzwerk? Ein Doppelkonzert von rechten Bands in Wahlstedt deutet einmal mehr darauf hin.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2017 | 09:56 Uhr

Wahlstedt/Neumünster | Wie eng ist die Kooperation von Neonazis und der Rockergruppe „Bandidos“ im Norden? Eine große Veranstaltung am vergangenen Wochenende  in einem Industriegebiet in  Wahlstedt (Kreis Segeberg) deutet auf einen durchaus engeren Schulterschluss hin. Am Sonnabend spielten im Clubheim der Rocker-Ortsgruppe „Bandidos MC Northgate“ an der Kronsheider Straße (ehemalige Diskothek Déjà-Vu) zwei Rechtsrock-Gruppen. Es soll sich dabei um Kategorie C und Hausverbot gehandelt haben.

Die Bandidos treffen sich seit 2012 in ihrem Vereinsheim in Wahlstedt. Bei Kontrollen vor dem Club-Haus finden Polizeieinheiten immer wieder Waffen und andere verbotene Gegenstände.

Die zuständige Polizei in Bad Segeberg bestätigte auf Nachfrage, dass ein entsprechendes Konzert auf dem Gelände der Rockergruppe mit rund 80  Gästen aus ganz Deutschland stattgefunden habe. „Es waren sowohl polizeibekannte  Vertreter aus der rechten Szene als auch  Rocker dabei“, hieß es. Die Veranstaltung war nach Auskunft der Ermittler recht konspirativ im Internet beworben worden. Der Ort des Geschehens wurde dort nicht preisgegeben. Die Konzertbesucher wurden bei der Anfahrt von Helfern der Veranstalter einige Kilometer vor Wahlstedt an speziellen Schleusungspunkten  in Empfang genommen. Dort wurden offenbar die Tickets kontrolliert, und erst danach wurde der Veranstaltungsort mitgeteilt.

„Die Polizei hatte Hinweise auf das Konzert, ging aber anfangs davon aus, dass es im Raum Lübeck stattfinden soll“, so die Polizei Segeberg. Ab 18 Uhr waren die Beamten aber mit 50 Kräften in Wahlstedt vor Ort. 25 Konzertbesucher wurden kontrolliert. Dabei wurden ein Baseballschläger und ein Einhandmesser sichergestellt. Das Konzert verlief laut Polizei ruhig. Gegen 23.15 Uhr rückten die Beamten  wieder ab.

Beobachter aus der linken Antifa-Szene weisen in diversen Veröffentlichungen – unter anderem im Internet –  darauf hin, dass das Konzert in Wahlstedt von dem seit dem Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood&Honour“  (englisch für „Blut und Ehre“) organisiert worden sein könnte. Dieses weltweit agierende Netz hat es  sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, rechtsextreme Bands miteinander zu koordinieren und dadurch die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten.

Zu „Blood&Honour“ gehört ein sogenannter bewaffneter Arm namens „Combat 18“, der vor allem in Großbritannien und Skandinavien aktiv ist, aber auch in Deutschland Anhänger hat. In ihren Internet-Mitteilungen warnt die Antifa vor „Verbindungen der Neonazi-Szene zur organisierten Kriminalität, insbesondere zum  Rocker-Milieu“.

Das Landeskriminalamt in Kiel erklärte auf Anfrage: „Die Polizei konnte in der Vergangenheit beobachten, dass einzelne Personen mit rechtem Hintergrund in Rocker-Gruppierungen eingetreten sind. Es gibt jedoch keine Wahrnehmungen, die auf die Bildung eines entsprechenden rechten Netzwerkes hindeuten“, sagte LKA-Sprecherin Carola Jeschke.

In den beiden „Bandidos“- Ortsgruppen im Land sind diverse Mitglieder der 2010  verbotenen „Bandidos Neumünster“ untergekommen.   Mehrere  von ihnen stammen aus der rechtsradikalen Szene aus Neumünster rund um den einstigen „Club 88“.  Neben der Gruppierung „Bandidos Northgate“ in Wahlstedt gibt es die „Bandidos Padborg“ mit Sitz in Kiel.

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