zur Navigation springen

Einfeld : Vorschlag: Heim für junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Architekt Helmut Roy schlägt vor, dass jugendliche Asylbewerber das frühere Kirchenkreisjugendheim am Seekamp wieder nutzbar machen

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Der Aufruf von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, sich für jugendliche Flüchtlinge zu engagieren, ist bei Helmut Roy angekommen. Der Architekt im Ruhestand schlägt vor: Junge Flüchtlinge könnten sich im leer stehenden früheren Kirchenkreisjugendheim am Seekamp in Einfeld ihr Heim selbst bauen.

„In den Erstaufnahmeeinrichtungen fällt den Jugendlichen durch die Enge und fehlende Beschäftigung die Decke auf den Kopf“, sagt Roy, der sich auch ehrenamtlich bei der Kleiderkammer der Bonhoeffer-Gemeinde engagiert. Es gebe sicher Mitstreiter, die die Jugendlichen unterstützen würden. Er denkt hier an Baufirmen, die Gerät und Materialien zur Verfügung stellen. Die Stadtwerke könnten die gekappten Anschlüsse wieder herstellen. Die Stadt müsste das Gebäude allerdings für diese Nutzung freigeben.

Das Grundstück ist etwa 6000 Quadratmeter groß und hat die wohl exklusivste Lage in ganz Neumünster. Ein Teil des Grundstücks könnte trotzdem verkauft werden, meint Architekt Roy. Wenn die Stadt oder das Land die Baukosten übernehmen, könnte das ein Modellprojekt werden, glaubt Roy. Und es werde nicht einmal eine Baugenehmigung oder Umwidmung benötigt. Roy: „Ein Jugendheim ist ein Jugendheim und wird als Jugendheim genutzt.“ Bei gutem Willen könne sofort mit dem Projekt gestartet werden.

Bei Einfelds Stadtteilvorsteher Sven Radestock rennt Roy mit seinem Vorschlag offene Türen ein. „Der Druck wird größer. Wenn jetzt neu nachgedacht wird, ist das zu unterstützen“, sagt Radestock. Er sieht eine große Hilfsbereitschaft im Stadtteil. „Einfeld hat nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viele Flüchtlinge aufgenommen“, sagt Radestock. Dorit Hartz ist Nachbarin, Vorsitzende der Landfrauen und kann das nur bestätigen. „Hier im Jugendheim waren früher auch Flüchtlinge untergebracht“, sagt sie.

Bei der Stadt ist man froh über konstruktive Vorschläge. Roy darf sich das Gebäude auch von innen anschauen, aber sein Vorstoß stößt auf Skepsis. „Es ist nicht so, dass wir diese Idee nicht auch schon geprüft haben“, sagt Thorben Pries, der Büroleiter von OB Tauras. Das Ergebnis der Prüfung lautet: Es gebe erhebliche Sanierungskosten. „Wir haben geeignetere Unterbringungsmöglichkeiten, etwa an der Parkstraße“, sagt Pries. Ute Spieler, Chefin der Stadtplanung, stößt ins gleiche Horn. Die nötigen Installationsarbeiten im Jugendheim wären viel zu teuer, ein Neubau an anderer Stelle wirtschaftlicher.

Die Stadt prüfe gerade alle Optionen bei verschiedenen Liegenschaften. „Vorrang hat die Anmietung bestehender Grundstücke“, sagt Ute Spieler. Auch rechtlich könnte es Probleme geben, wenn das längst eingeleitete Bieterverfahren für das Seegrundstück jetzt gestoppt werde. „Wenn es nicht verkauft wird, also kein Interessent zum Zuge kommt, müsste geprüft werden, ob Schadenersatzansprüche bestehen“, so Ute Spieler. Auch den Vorschlag, dass die Flüchtlinge beim Bau selbst Hand anlegen, sieht sie kritisch. Spieler: „Es gibt Haftungsansprüche und ein Problem mit Schwarzarbeit und Mindestlohn.“ Das sieht Roy anders. „Die Arbeitsagentur oder das Jugendamt müssten eine Form finden, nach der die Jugendlichen beschäftigt und versichert werden könnten“, sagt Helmut Roy.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen