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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 12:06 Uhr

Luftangriff : Vor 70 Jahren fielen die Bomben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Renate Reinhardt erlebte als zehnjähriges Mädchen den ersten großen Luftangriff auf Neumünster. Ihr Elternhaus an der Thorstraße wurde zerstört.

Neumünster | Am 25. Oktober 1944 – also vor genau 70 Jahren – wurde Neumünster vom ersten schweren Luftangriff getroffen. 181 Menschen starben beim Bombardement auf die Bahn, Fabriken und Wohnviertel. Renate Reinhardt, geborene Müller, erlebte das Inferno als zehnjähriges Mädchen. Ihr Elternhaus an der Thorstraße 24 wurde so schwer getroffen, dass die Familie mit ihren 14 Kindern es nicht mehr bewohnen konnte.

Renate war die fünftjüngste der Geschwister, sechs Jungen und acht Mädchen. „Unsere ältere Schwester Irmgard hatte mit Mutter Christina das Kommando. ‚Alles, was Müller heißt, reinkommen!‘ – so wurden wir zu den Mahlzeiten gerufen“, sagt Renate Reinhardt. An den 25. Oktober vor 70 Jahren erinnert sie sich noch genau: „Die Mutter hatte sich hingelegt. Inge musste abwaschen, ich abtrocknen, der kleine Uwe lag neben uns im Kinderwagen. Und dann gab es Fliegeralarm. Ich wollte die Bomber hören – mit zehn Jahren weiß man ja nicht, was das bedeutet. Und dann kam auch schon die Mutter runter. Wir mussten alles stehen und liegen lassen, schnell aus dem Haus und hinter dem Knick in Deckung gehen.“

Das Siedlerhaus brannte da schon lichterloh. „Mutter konnte nur den Koffer mit den Papieren retten. Wir hatten nur noch die Kleidung, die wir trugen, Vater eilte von der Arbeit bei den Stadtwerken herbei“, sagt Renate Reinhardt. Verletzt war aber niemand. Die erste Nacht verbrachte die Familie bei Nachbarn, dann in der Notunterkunft mit Strohsäcken in der Schule. „Wir kriegten alle davon die Krätze.“

Die nächste Bleibe war an der Preußerstraße. Doch auch dieses Haus bekam beim nächsten großen Angriff am 6. November 1944 einen Volltreffer und wurde völlig zerstört. „Wir waren alle im Keller, Soldaten holten uns da raus, eine Gasleitung war getroffen“, sagt Renate Reinhardt. Die ausgebombte Familie musste erneut umziehen, diesmal an den Rüschdal. Erst 1946 war das Haus an der Thorstraße wieder aufgebaut. „Wir Kinder mussten dabei Steine klopfen“, sagt Renate Reinhardt, die die Nichte des 1943 von den Nazis ermordeten und 2011 selig gesprochenen Kaplan Eduard Müller ist. Richtig kennen gelernt hat sie ihren Onkel nicht: „Die Großeltern waren streng katholisch, wir durch unsere Mutter alle evangelisch. Das renkte sich erst später wieder ein.“

1968 verkauften ihre Eltern das Haus an der Thorstraße. Renate Reinhardt wohnte da schon mit ihrem Mann Peter in Einfeld, kehrte jetzt aber noch einmal zum Elternhaus nach Tungendorf zurück und kam mit Delia Petersen ins Gespräch, die jetzt dort mit ihrem Mann Thomas lebt. Das Haus kann seine Geschichte nicht verleugnen. „Beim Renovieren haben wir noch die Brandspuren freigelegt“, so Delia Petersen.

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erstellt am 25.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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