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Lesung mit Norbert Scheuer : Von Vögeln, Krieg und der großen Sehnsucht nach Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der bekannte Autor las in der Bücherei aus seinem Buch „Die Sprache der Vögel“.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Herbstloch? Keine Lust mehr, abends noch vor die Tür zu gehen? Was ist los mit den Neumünsteranern? Im Sommer rissen sie sich um Eintrittskarten für den Kunstflecken, Anfang November bleiben sie zu Hause und somit viele Stühle leer, wenn die Stadtbücherei zu einer Lesung mit dem bekannten Autoren Norbert Scheuer lädt. Elf Gäste nahmen am Dienstagabend im Foyer der Bücherei Platz, um von Scheuer mehr über „Die Sprache der Vögel“ zu erfahren.

2015 bei C.H. Beck erschienen, schaffte es „Die Sprache der Vögel“ noch im selben Jahr auf der Nominierungsliste für den Preis der Leipziger Buchmesse. „Extrem dicht erzählt Norbert Scheuer von einem jungen Mann, der freiwillig als Sanitätsgefreiter nach Afghanistan geht. Ein Roman über Erinnern und Vergessen, Tod, Schuld und Krieg, aber auch über die Schönheit der Natur, die Poesie der Sprache und des Vogelflugs“, lautete das Urteil der Jury.

Autor Scheuer schien die intime Atmosphäre in der Bücherei zu genießen. Mit einem Lächeln begrüßte er seine Gäste und klappte prompt sein Buch auf. „Ich beginne mit dem Anfang des Buches“, sagte der studierte Ingenieur schmunzelnd. „Das hat den Vorteil, dass ich nichts erzählen muss. Das mit dem Erzählen fällt mir immer schwer“, gab Scheuer zu, „fiele es mir leichter, müsste ich keine Bücher schreiben.“

Aber dann erzählte er doch noch ein wenig. Von den verschiedenen Handlungssträngen seines neuen Romans, von seinem Protagonisten Paul Arimond, der 2003 als Bundeswehrsanitäter nach Afghanistan geht, um seiner traumatischen Vergangenheit zu entfliehen, und von Pauls Leidenschaft für Vögel, die der junge Mann mit seinem Urahn Ambrosius Arimond teilt.

Norbert Scheuers Prosa gleicht einem behutsamen Herantasten an die Menschen und ihre Geschichten. Sein Talent ist die Kunst der Beschreibung. Mit sanftem Ton und wunderbarer Beobachtungsgabe verleiht er seinen zweifelnden, manchmal gebrochenen Protagonisten klare Konturen, denen sich kein Leser oder Zuhörer entziehen kann. Auf die Frage, warum er keine Stellung zum Krieg in Afghanistan nähme, hatte Norbert eine klare Antwort: „Literatur darf keine dogmatische Haltung einnehmen. Es ist deutlich genug, was der Krieg in Afghanistan mit den Menschen macht. Die Situation ist viel zu komplex, um sie in Literatur aufzulösen. „Die Sprache der Vögel“ war zu keiner Zeit als Erlebnisbericht mit persönlicher Färbung angelegt.


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