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Neue Ausstellungen : Von Lili Marleen, Hunger und Krieg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Museum Tuch + Technik am Kleinflecken widmet sich bis 31. Mai der Erinnerung an das Kriegsende vor 70 Jahren und den Werken von Walter Erben

Neumünster | Wenn die Mona Lisa singen könnte, dann wäre es vielleicht das Lied über Lili Marleen. Weltberühmt und dennoch in seiner Wirkung nicht ganz ergründbar – eben so wie das Lächeln des Frauenbildnis’ – ist das Lied über das Laternenmädchen. Ihm widmet das Museum Tuch+Technik bis zum 31. Mai in Erinnerung an 70 Jahre Kriegsende eine Ausstellung.

Denn der deutsche Schlager über das Mädchen „vor der Kaserne“ ist zum einen ein Soldatenlied, das Männer im Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten der Front gesungen haben. „Das Lied war international bekannt, auch bei den Alliierten“, berichtete Dr. Jürgen Reiche anlässlich der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend. Es ist aber noch mehr als ein Lied, in dem die Soldaten aller Länder ihre Sehnsüchte ausgedrückt fanden: „Es ist auch ein lebendiges Abbild der Zeit, wenn wir einen Blick auf die Entstehung, Verbreitung und Rezeption des Liedes werfen“, erklärte Reiche weiter, der die Wanderausstellung aus dem Bonner Haus der Geschichte begleitet. So bietet die Ausstellung interessante Exponate von damals und aus neuerer Zeit: Schallplatten mit Aufnahmen von Lale Andersen, die das von Hans Leip gedichtete Lied als erste sang und Autogrammkarten für Fans mit Lili Marleen unterschrieben hat.

Ausschnitte aus Briefen vom Schlachtfeld sind zu lesen, in denen das Lied erwähnt wird. Kurioses erzählt ein Zeitungsartikel, in dem der Schlager zu einem Politikum wird. Österreichische Touristen trällerten in der Nachkriegszeit in einer jugoslawischen Kneipe Lili Marleen und wurden daraufhin des Landes verwiesen. Neben dekorativ an einer Litfaßsäule aufgehängten Filmplakaten und einem Wachhäuschen wird auch die Kommerzialisierung des Liedes dokumentiert. Zum Beispiel erfährt der Besucher, dass sich ein Rosenzüchter für eine Rose den Namen Lili Marleen per Patent gesichert hat.

„Wir verstehen uns auch als stadtgeschichtliches Museum“, sagte die Leiterin des Tuch+Technikmuseum, Astrid Frevert. Daher gibt es zusätzlich eine zweite Ausstellung. Unter dem Titel „Hunger, Trümmer, Wohnungsnot. Nachkriegszeit in Neumünster“ werden ebenfalls bis zum 31.Mai 24 großformatige Schwarz-Weiß-Bilder des ehemaligen Courierfotografen Walter Erben gezeigt. Die Archivarin des etwa einhunderttausend Negative umfassenden Nachlasses, Monika Krebs, berührt an den Bildern insbesondere, dass sie „immer noch Geschichten erzählen können. Sie brechen geografische und sprachliche Barrieren und sind über die rein historische Abbildung hinaus emotional, unvergesslich und einfach schön.“ Die Bilder sind an der Glasfront zum Kleinflecken aufgehängt und beidseitig bespannt, so dass sie auch von der Straße aus betrachtet werden können. „Walter Erben sah seine Aufgabe darin, das öffentliche Leben festzuhalten“, erzählte Monika Krebs, die bei dem leidenschaftlichen Fotografen gelernt hat. Also war er da, wo etwas passierte, zum Beispiel in einer Nissenhütte, in der Platz rar war. Ein Foto von drei Kindern, die sich ein Bett teilen, auf dem Nachtschrank daneben eine nicht angezündete Wachskerze, dokumentiert schlicht aber eindringlich Mangel und Sparsamkeit in der Nachkriegszeit. „Eine gewisse Magie wohnt beiden Ausstellungen inne“,meinte Monika Krebs.


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