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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 15:41 Uhr

Kinobühne : Von der Schikane im Fürsorgeheim

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Film „Freistatt“ erzählt die Geschichte von schikanierten und misshandelten Jugendlichen.

Neumünster | Die Kult-Veranstaltung Kinobühne geht in die nächste Runde und widmet sich am Dienstag, 22. März, mit dem Film „Freistatt“ von Marc Brummund einem ernsten Thema: Es geht um das gleichnamige Erziehungsheim im Kreis Diepholz (Niedersachsen), das aufgrund seiner rigiden Methoden bis in die 70er-Jahre als eine der härtesten Einrichtungen der Jugendfürsorgeerziehung galt. Der Film wird zweimal um 17.30 und 20 Uhr gezeigt; die Abendvorstellung ist ausverkauft. Für diese verlost der Courier Karten.

Der Film spielt im Sommer 1968 – Studentenunruhen, Vietnamkriegsproteste, Rolling Stones, Schlaghosen, Mini-Röcke, sexuelle Revolution. Doch in norddeutschen Kleinstädten ist davon wenig zu spüren. Protagonist ist der 14-jährige Wolfgang (Louis Hoffmann), der von seiner Mutter (Katharina Lorenz) und seinem eifersüchtigen Stiefvater (Uwe Bohm) in die abgelegene kirchliche Diakonie-Fürsorgeanstalt Freistatt für schwer erziehbare Jugendlichen abgeschoben wird. Der Teenager findet sich in einer Parallelwelt wieder: Verschlossene Türen, vergitterte Fenster, militärischer Drill während der als Erziehung verbrämten täglichen Arbeitseinsätze in den Mooren der Umgebung, bei denen die jugendlichen Insassen Torf stechen müssen. Wolfgang will sich nicht unterkriegen lassen, doch als er sich gegen den prügelnden Oberbruder Wilde (Stephan Grossmann) auflehnt, muss er schmerzlich lernen, dass die anderen Jungen in einem von Zwietracht und Gewalt beherrschten Alltag keineswegs an seiner Seite stehen. Einzig Erzieher Krapp (Max Riemelt) scheint um Milde und eine Form von Freundschaft bemüht. Es bahnt sich ein Aufstand an.

Der Film entstand unweit von Diepholz, der Geburtsstadt Brummunds. „Den Geist der „schwarzen Pädagogik“ und die Gottesfurcht spürte ich trotz einer glücklichen Kindheit bis in die Schulbank“, sagt Marc Brummund. Viele Betroffene wurden misshandelt und leiden noch heute unter dem Erlebten. Die Diakonie unterstützte das Projekt und ermöglichte die Dreharbeiten an den noch weitgehend existierenden Originalschauplätzen.

Marc Brummund ist am Dienstag nicht vor Ort, da er zurzeit ein Schreib-Stipendiat in Los Angeles absolviert. Seine Familie lebt in Neumünster, seine Eltern werden zur Vorführung kommen, ebenso der Zeitzeuge Wolfgang Rosenkötter, ein ehemaliger Insasse dieser Anstalt, der den Film bereits mehrfach begleitete und nach beiden Vorstellungen für Fragen bereit steht.

Der Courier verlost für die Abendvorstellung um 20 Uhr drei mal zwei Karten. Wer am Montag, 21. März, in der Zeit von 13 bis 14 Uhr eine Mail mit der richtigen Antwort auf die Gewinnspielfrage an die Mailadresse redaktion.neumuenster@shz.de schickt, hat Chancen zu gewinnen. Die Frage lautet: Welche Arbeit mussten die jugendlichen Insassen in „Freistatt“ verrichten? Mails, die davor oder danach eintreffen, werden nicht berücksichtigt.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 11:00 Uhr

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