Von Anfang an dabei: Das Urgestein des Hengstmarktes

Hans-Werner Paul schaute sich gestern den Aufbau in der Holstenhalle 1 an und traf dabei auch die Pferdewirtschaftsmeisterin Antonia Döllner (rechts) und die Auszubildende Anne-Kathrin Ernst aus Nübbel, die Pflanzen für den Parcours bereitstellten. Foto: lipovsek
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Hans-Werner Paul schaute sich gestern den Aufbau in der Holstenhalle 1 an und traf dabei auch die Pferdewirtschaftsmeisterin Antonia Döllner (rechts) und die Auszubildende Anne-Kathrin Ernst aus Nübbel, die Pflanzen für den Parcours bereitstellten. Foto: lipovsek

Seit 49 Jahren begleitet Hans-Werner Paul (73) das Pferdespektakel in den Holstenhallen

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21. Oktober 2011, 07:49 Uhr

Neumünster | 50 Zuschauer und gerade einmal zwölf Pferde waren es damals. "Es war schon gespenstig in der riesigen Holstenhalle", sagt Hans-Werner Paul (73). An den ersten Trakehner Hengstmarkt vor 49 Jahren erinnert er sich noch gut. "Eine öffentliche Auktion gab es nicht, da wurde in den Ställen gehandelt. Und ob wir kören durften, entschieden die Politiker. Das war schließlich ein staatlicher Akt." Der aus Ostpreußen stammende Landwirt ist ein echtes Urgestein und hat an bisher allen 49 Hengstmärkten teilgenommen.

Als Peitschführer fing er an, arbeitete sich dann zum Läufer mit den Pferden hoch. Auch im 1947 nach dem Zweiten Weltkrieg neugegründeten Verband engagierte er sich. Von 1979 bis 2006 war er Landesvorsitzender des Zuchtbezirkes Schleswig-Holstein/Hamburg. 21 Jahre gehörte er zudem der Körkommission an. Heute ist er stellvertretender Vorsitzender des Verbandes. Dass der Hengstmarkt mittlerweile zu den wichtigsten Treffen der Züchter weltweit zählt, ist auch ein entscheidender Verdienst von ihm.

Früh eignete er sich das Fachwissen über die edlen Rösser an, lernte vor allem beim Vater. "Eigentlich interessierte mich immer nur das Reiten", sagt er. Aber als der Vater früh starb, übernahm der gerade 18-Jährige die Zucht in Rethwisch bei Preetz, wo er auch heute noch lebt. Dort hatte die Familie nach der Flucht 1951 einen Hof bezogen und mit ostpreußischen Warmblutpferden angefangen. Damals war die Definition noch streng: Echte Trakehner mussten direkt vom Gestüt Trakehnen stammen. "Wir hatten aber nur Nachfahren", erklärt der Fachmann.

Sechs seiner Hengste wurden in den 49 Jahren in den Holstenhallen gekört. Besonders stolz ist Hans-Werner Paul aber auf Corvin, der ihm 1976 bei der Versteigerung 72 000 DM brachte. "Das war damals richtig viel Geld", sagt er. Mit dem, was heute erzielt wird, ist das allerdings nicht mehr zu vergleichen: Allein der Umsatz bei den 13 gekörten Hengsten im vergangenen Jahr betrug knapp 1,19 Millionen Euro; Siegerhengst "Imhotep" wurde für 300 000 Euro verkauft. Zwei Mutterstuten besitzt Hans-Werner Paul noch. Ambitionen auf eine größere Zucht hat er nicht mehr. "Vielen Züchtern fehlt leider die Nachfolge. Meine Kinder kommen immerhin noch zur Gala-Schau morgen Abend."

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