zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 13:41 Uhr

Landtagswahlkampf : Vom Biomais bis zum Schulklo

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Grünen-Minister Robert Habeck kam zu einer offenen Fragerunde am Eingang der Lütjenstraße und beantwortete fast alles im Stakkato-Tempo

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 08:17 Uhr

Neumünster | In Jeans und schwarzer Blousonjacke kommt Robert Habeck über den Großflecken in schnellem Schritt, entschuldigt seine Verspätung mit einem politischen Seitenhieb: „Es war Stau auf der A 7. Keine Ahnung, wer zuständig ist für die A 7, aber nicht wir Grünen.“ Der Umweltminister stellte sich gestern Nachmittag auf Einladung des Kreisverbandes des Bündnisses 90/ Die Grünen den Fragen der Bürger – und rund 80 Menschen kamen zum Eingang der Lütjenstraße. Auf dem „grünen Sofa“ – analog zum roten Fernseh-Sofa – nahm er allerdings nicht Platz. Es war zu kalt.

„Wir wollen bewusst keine Podiumsdiskussion, das ist ein offenes Format“, sagte Aminata Touré, die grüne Kandidatin vor Ort. Und direkte Fragen hatten die Leute jede Menge. Damit die Technik besser funktionierte, klemmte sich der Minister kurzerhand den Lautsprecher unter dem Arm, feuerte in rasantem Redetempo Argumente und Botschaften ab – und nahm zu fast jeder Frage auch Stellung, entschuldigte sich manchmal für die Ausführlichkeit. Die Themen reichten von der Energiewende, Fahrradfahren, Biogas-Maisvergärung, Glyphosat-Verbot, Nachwuchsproblemen in den Pflegeberufen bis hin zu parteiinternen Machtfragen, Brokdorf oder der „Schulklo-Frage“.

Zum Einstieg gab es eines seiner Lieblingsthemen - die Energie. „Die Energiewende ist ein Riesen-Wertschöpfungsfaktor, es wurden 20000 Jobs geschaffen“, schwärmte er. In Defiziten entdeckte er noch das Positive: „Die Energieproduktion und die Stromnetze sind tatsächlich nicht synchron gewachsen, aber Schleswig-Holstein ist doppelt so schnell wie die Planung. Wir müssen die Energiewende energisch fortsetzen.“ Beim Thema Küstenschutz nahm er einem Kritiker den Wind aus den Segeln: „Es sind sieben, nicht 20 Millionen Euro für die Sandaufschüttungen vor Sylt, und es sind Bundes-, nicht Landesmittel. Statischer Küstenschutz wäre teurer. Der Sand wandert außerdem durch das Wattenmeer, das kartografieren wir. Wir schütten jetzt den Sand vor Sylt, in sieben Jahren ist er vor Föhr, wo wir ihn für den Küstenschutz brauchen. Das ist die zärtlichste Lösung.“

Bei der Bildung und beim G-8-Abitur setzte er auf den Schulfrieden („wir brauchen Ruhe im System, um die Schulen besser ausstatten zu können“) und die Digitalisierung („das ist die Zukunft“), nannte Mais-Vergärung für Biogas „unethisch“ („aber es bestehen Verträge“) und gestand: „Bei Brokdorf darf ich den Stecker nicht ziehen. Sonst wären wir eine Bananenrepublik.“ Kritikern maroder Fahrradwege machte er Hoffnung auf Radschnellwege nach Berliner Vorbild. Ein älterer Herr regte sich über den Plan für die Sanierung der sanitären Schulanlagen auf: „Warum muss das alles so versifft sein, ehe man etwas tut?“ Er antwortete launig: „Es gibt Sporthallen, da muss man durch den Mund atmen, um durch die Toiletten zu kommen. So soll es nicht sein.“ Nur bei einer Frage nach den AKN zwischen Neumünster und Ascheberg passte er: „Ich habe Neumünsteraner Spezialitäten nicht so drauf.“

Von rund 80 Leuten harrten bis zuletzt 40 bei eisigem Wind aus. „Sehr bürgernah, wie er auf die Fragen eingegangen ist. Aber man musste auch genau nachfragen“, sagte Katja Stender (44), Lehrerin an der Klaus-Groth-Schule. Sie wollte angesichts zu wenig Lehrer und Unterrichtsausfall wissen, ob der Bildungsetat mit grüner Regierungsbeteiligung nach der Wahl aufgestockt wird – und erhielt ein Ja. Was ihr ebenfalls gefiel: „Er ist angenehm authentisch und hat ein Sprachniveau, das jeder versteht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen