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Vom altrömischen Hadrianswall zur neuzeitlichen Willkommenskultur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 24.Apr.2014 | 10:41 Uhr

Im Bibeltext Matthäus 25 steht geschrieben „…..ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf….“. Wie vollzieht sich dieses Aufnehmen von „Fremdlingen“ in uns, und welche Gedanken legt dieses Aufnehmen von „Fremdlingen“ in uns frei? Wie stehen wir diesem Aufnehmen fremder Menschen aus uns fremden Kulturen gegenüber? Was begleitet uns dabei? Angst? Neugier? Mitgefühl?

Sind uns die, die zu uns kommen und in unserem Land nach dem Asylrecht aufgenommen werden, einfach nur suspekt und lästig, und empfinden wir sie sogar als extentielle Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung? An anderer Stelle heißt es bei Matthäus: „Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf?“ Ja, wann sind wir in der europäischen Flüchtlingsproblematik bereit zu sehen und aufzunehmen? Eine bohrende, unbequeme Frage an die Europäische Gemeinschaft, an die Gesellschaft überhaupt, zu der eine befriedigende Antwort bisher nicht gefunden wurde.

Dank der modernen Medien kennen wir die Brennpunkte dieser Welt, die uns zwar tief berühren, denen wir aber ohnmächtig gegenüber stehen. Ohnmächtig, aber nicht hilflos. Wir müssen vom Hadrianswall zur einer neuzeitlichen Willkommenskultur gelangen.

Einem Kind, das im Kaufhaus seine Mutter, seine „Heimat“, verloren hat und in Tränen aufgelöst plötzlich in einem für ihn bedrohlichen Raum mit lauter fremden Gesichtern steht, gehört all unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge, bis das Kind in die Geborgenheit der Mutter zurückkehren kann. Welche Aufmerksamkeit und Fürsorge lassen wir walten, wenn nach Matthäus 25 nun „Fremdlinge“ zu uns kommen, die genau so empfinden wie das hier erwähnte Kind? Sind wir bereit, sie an die Hand zu nehmen und aus dem bedrohlichen Raum mit fremden Gesichtern in eine Geborgenheit zu führen? Ihnen eine Heimat in einer Heimat zu geben, die nicht die ihre ist? Die Flüchtlingsproblematik beinhaltet mehr Fragen als Antworten. Eine Antwort darauf könnte für mich sein, dass die augenscheinlich skrupellosen Politiker der Brennpunktstaaten sich darauf besinnen, dass sie nicht alleine in ihrem Land leben, sondern die Verantwortung für viele Millionen Menschen haben, die mit ihnen dort leben und ein Recht auf Unversehrtheit haben. Dass sie nicht legitimiert sind, diesen Menschen mörderische Überlebenskämpfe aufzubürden, denen sie nicht gewachsen sind, und im Extremfall nur durch eine Flucht ins Ungewisse entrinnen können.

Die Weltgeschichte, auch die der Deutschen, belegt, dass es keinen Zeitraum gab, in dem nicht Menschen vor ihren Peinigern geflüchtet sind. Die Angst in der neuen, für sie aber fremden Welt angenommen oder abgelehnt zu werden, war damals genau so groß wie heute. Massive Ablehnung und Aggressionen zwangen die Geflüchteten mitunter, erneut zu flüchten, um Leib und Leben zu schützen. Die Flüchtlingsströme werden nie abreißen. Es ist an den Menschen selbst, ihr Miteinander zu gestalten, sich zu sehen, sich anzunehmen, sich in ihrer Kultur zu respektieren.

Damit das gelingt, muss die „große europäische Politik“, müssen die aufnehmenden Länder Rahmenbedingungen schaffen und so den Grundstein für eine Willkommenskultur legen, in der die Menschen sich aufeinander zu bewegen, damit irgendwann aus fremden Gesichtern vertraute Gesichter werden.



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