Statt-Theater : Vier Feen legen ihr Geld an

Im szenischen Spiel bewiesen die vier „Feen in Absinth“ (von links) Tatjana Großkopf, Stephanie Peters, Nicole Wellbrock und Sabine von Rosenberg am Sonnabend im Statt-Theater ihr Können in Sachen Situationskomik.
Im szenischen Spiel bewiesen die vier „Feen in Absinth“ (von links) Tatjana Großkopf, Stephanie Peters, Nicole Wellbrock und Sabine von Rosenberg am Sonnabend im Statt-Theater ihr Können in Sachen Situationskomik.

Die „Feen in Absinth“ präsentierten ihr Programm „Wahre Größe“ / 140 Zuschauer amüsierten sich köstlich

shz.de von
27. März 2017, 11:00 Uhr

Neumünster | Niemand bekommt gerne Post vom Finanzamt. Doch was der naiven Lebensberaterin Rita (Nicole Wellbrock) ins Haus flattert, ist dann doch ein Schock. Ihr droht eine Anklage wegen Steuerhinterziehung, da ihr Konto den Eingang einer unversteuerten Million Euro verzeichnet. Rita und ihre Geschäftspartnerin Renée (Stephanie Peters) verhelfen ihren Kunden mit ihrer Firma „Lebensberatung mit dem Quäntchen Magie“ eigentlich berufsmäßig zu Glück und Erfolg. Doch nun stecken sie selbst schwer in der Klemme. Unterstützung naht in Person der esoterisch durchgeknallten Aussteigerin Rosi (Tatjana Großkopf) und der Vierten im Bunde, Rafaela (Sabine von Rosenberg), als erfolgreiche Hollywoodgröße. Diese vier „Feen in Absinth“ präsentierten am Sonnabend ihr Programm „Wahre Größe“ – und die 140 Zuschauer im Statt-Theater amüsierten sich köstlich, auch wenn der zauberhafte Charme der Akteurinnen wohl nicht auf jeden Besucher uneingeschränkt übersprang.

Gut aufeinander abstimmte Dialoge, mit Esprit und viel Herz vorgetragene Lieder sowie eine skurrile Handlung sorgten jedoch dennoch für viele Lacher und spontanen Beifall.

Rita, die die Million beim Einpflanzen eines Olivenbaumes in ihrem Schrebergarten gefunden hat, glaubt, das Geld als Bestellung aus dem Universum gefunden zu haben und investiert es postwendend in ein Picasso-Gemälde. Renée versucht, das entstandene Chaos zu beherrschen und entpuppt sich dabei als wagemutige Detektivin im Zweitjob. Rosi dagegen ist vom schicksalhaften Karma überzeugt und will die Welt mit dem Aufbau eines Esoterik-Dorfes in Rumänien retten. Die verdreht-komische Geschichte servierten die Feen mit skurrilen Songs über Erfolg („Ich bin positiv drauf und gebe niemals auf“). Sie verwandelten sich in stampfende Jüngerinnen, streuten eine Udo-Jürgens-Parodie hinein („Mein Haar weht im Wind“) und mutierten zu Geheimagenten.

Doch was wäre ein Stück über Lebensberatung, wenn nicht auch das Publikum von der Weisheit der Feen profitierte? Urkomische Seminare für Führungskräfte („Killen statt chillen“), über die Liebe zum Nebenmann („in die Augen schauen und Wow sagen“) und Artikulieren („schwierige Worte wie Massachusetts kann man sich in Häppchen aufteilen“) trieben denn auch vielen Besuchern Lachtränen in die Augen. Außerdem   betrieb Rosi Aura-Pflege, indem sie das Publikum eine „magische Melodie aus dem Land der Trolle“, singen ließ. Und am Ende rettete auch ausgerechnet die „Eso-Tante“ die verfahrene Situation.

Der Mafioso Santana (Sabine von Rosenheim) regelte alles mit dem Finanzamt, und zum glücklichen Ende hatten die Feen schließlich eine weitere Lebensweisheit zu verkünden: „Ideen in die weite Welt hinauszugeben, das ist wahre Größe“.

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