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Seniorenmagazin : Viele weiße Grabsteine und kein Pomp

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Während meiner Amerikareise besuchte ich auch den Heldenfriedhof in Arlington – mein eindrucksvollstes Erlebnis.

Wenn man in Washington D. C. ist, steht der Heldenfriedhof in Arlington auf dem Programm. Einige Male habe ich ihn schon gesehen, in Zeitungen, im Fernsehen, immer wenn einer Persönlichkeit die Ehre zuteil wurde, auf Arlington begraben zu werden.

Jetzt stehe ich hier auf einer Anhöhe und blicke über eine endlose Rasenfläche, auf der 260 000 weiße Grabsteine stehen – millimetergenau auf den gleichen knappen Abstand ausgerichtet – alle in einer Größe. Es gibt keinen Pomp, keinen Aufwand. In diesen grün-weißen Farben fallen nur vereinzelt kleine bunte Blumensträuße auf.

Ich sehe über die vielen Gräber hinweg, und weit dahinter ist das Pentagon zu erkennen. Dies war genau die Richtung des Flugzeuges am 11. September 2001. Es flog ungebremst im Tiefflug über Arlington bis ins Pentagon. Dieses Ereignis ist besonders an dieser Stelle immer noch ganz nah. Die Reiseleiterin war Augenzeugin.

Auf Arlington sind nicht nur verdiente Soldaten, sondern auch Zivilisten beerdigt, die der USA im besonderen Maße gedient und Gutes getan haben. Ehepartner und Kinder haben die Berechtigung, an gleicher Stelle beerdigt zu werden. Namen und Daten erscheinen auf der Rückseite des Grabsteins.

John F. Kennedy ist einer von drei Präsidenten, dem die Ehre von Arlington zuteil wurde. Seine Grabstelle hebt sich deutlich von den anderen ab, statt weißer Steine gibt es Bronzeplatten, und in weitem Umkreis ist kein anderes Grab in Sichtweite. Auf den Gräbern von John F. Kennedy, seiner Frau Jacqueline und des kleinen Sohnes Patrick, der zwei Tage nach der Geburt verstarb, liegen schlichte Bronzeplatten, nur mit Namen und Daten versehen. Nach dem Tod des Präsidenten wurde auf Wunsch seiner Frau eine ewige Flamme entzündet.

Von Kennedys Grab aus blicke ich über den grünen Rasen den Hügel hinauf weit nach oben zum Herrenhaus. Auf diesem Anwesen wohnte der aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg bekannte General Lee. Nach seiner Enteignung entstand auf dem Landsitz dieser Friedhof Mitte des 19. Jahrhunderts.

Ich gehe weiter um den Fuß des Hügels herum, so dass ich außer Sichtweite des Familiengrabes des Präsidenten komme, und ein ganz anderes Grab fällt mir ins Auge. Auf der weitläufigen Rasenfläche sieht das kleine weiße Holzkreuz fast verloren aus. Daneben eine ebenso kleine amerikanische Flagge – einfach so ins Gras gesteckt. Eine winzige Marmorplatte trägt die Daten und den Namen Robert Kennedys. Damit wurde der Wunsch seiner Mutter Rose erfüllt, die für ihren Sohn diesen bescheidenen und gerade deswegen beeindruckenden Platz gewünscht hat.

Viele Touristen besuchen Arlington, und das Bronzeschild am Eingang mit der Inschrift „Ruhe und Respekt“ ist eigentlich überflüssig. Die Leute, die ich hier treffe, sind sehr ergriffen und beeindruckt von der Anlage dieses Friedhofs, besonders von den Kennedy-Gräbern. Viele – so wie ich – haben die Kennedy-Morde damals auf irgendeine Weise miterlebt und nie vergessen.

Eine Amerikareise hinterlässt viele Eindrücke, für mich war der stärkste der Besuch von Arlington.

Das ganze Seniorenmagazin finden Sie in der heutigen Ausgabe des Holsteinischen Couriers.












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erstellt am 25.Okt.2013 | 15:45 Uhr

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