Theaterkritik : Viele Gags zünden nicht

Das Känguru (Manja Haueis) und der Kleinkünstler (Lorenz Baumgarten) bilden eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft.
Das Känguru (Manja Haueis) und der Kleinkünstler (Lorenz Baumgarten) bilden eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft.

Die „Känguru-Chroniken“ des Landestheaters finden in der Stadthalle in Neumünster ein geteiltes Echo.

shz.de von
23. Januar 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | Gut 450 Besucher freuten sich am Sonntagabend auf die im Theater der Stadthalle vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater präsentierten „Känguru-Chroniken“ – nicht wenige dürften enttäuscht gewesen sein.

Die als Text und Hörspiel äußerst erfolgreichen Episoden von Marc-Uwe Kling um das rotzfreche und liebenswerte Anarcho-Beuteltier und den gesellschaftlich leicht desintegrierten Kleinkünstler sprühen vor Witz. Leider funktioniert das nur bedingt auf der Bühne.

Auch wenn sich nach dem Öffnen des Bühnenvorhangs der Kleinkünstler (Lorenz Baumgarten trotz Schluff-Image mit Haltung und klarer Stimme) wortgenau an die Vorlage hielt, auch wenn das Känguru (Manja Haueis lebendig und schön fies grinsend, aber mit zu viel Punk-Routine) seine Anti-Haltung und Gesellschaftskritik deutlich machte – es fehlte das Schnelle, der blitzende Geist in den chaotischen Dialogen. Dafür dehnten sich manche Sequenzen überlang, Situationskomik wurde durch Wiederholungen unlustig.

Überhaupt war doch einiges zu demonstrativ aus der Punk-Schublade gezogen. Das Känguru hat bunte Haare, trägt Schwarz und ein Nietenarmband, sitzt breitbeinig auf dem von ihm mit der Kettensäge zur Musik von „Nirvana“ zerlegten Bett und hat keinen Bock auf Arbeit – dafür auf Alkohol. Aber ein großes Lob verdient das schlichte Bühnenbild, das eine Wand aus zahlreichen identischen Kartons bildete, die allerlei Spielmöglichkeiten boten. Und auch Timon Schleheck war ganz großartig in seiner Wandlungsfähigkeit als Kneipenwirtin, Jobcenter-Frau und zahlreichen anderen Personen. Toll waren auch die kleinen Szenen, die illusionsbrechend Theater und Realität scheinbar vermischten.

So mancher Zuschauer murrte denn auch. „Platte Aneinanderreihung“ hieß es hier und „Ich hab den Einstieg noch nicht ganz gefunden“ da. Aber viele waren auch voll des Lobes, wie zum Beispiel Torben-Ole Ahrens (19) aus Neumünster: „Es ist super, ganz große klasse! Ich habe das Buch gelesen und es mir genau so vorgestellt.“ Auch Julie Krüger (19) aus Bad Bramstedt amüsierte sich bestens: „Mir gefällt das Stück viel besser als klassisches Theater. Die Inszenierung ist toll, und ich mag die Musik, die darin vorkommt.“

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