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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 14:27 Uhr

Viel Emotionen und Psychoanalyse

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 21.Feb.2014 | 13:12 Uhr

Der Start für ein Kammerspieltheater der neuen Reihe „Freiraum“ im Theater in der Stadthalle ist gelungen. Wie bei der längst etablierten Kinobühne saßen am Dienstagabend 85 Gäste auf der Bühne und erlebten die Ein-Mann-Show des Schauspielers Christian Nisslmüller (49) vom „Factory-Theater“ aus Kiel mit dem Titel: „Hesse & Klingsor“.

Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse (1877-1962) schrieb die Erzählung „Klingsors letzter Sommer“ 1910. Inhalt ist der künstlerische Schaffensprozess und die damit verbundene Energie, die Entfesselung von Gedanken, Hoffnungen und Ängsten. In der Figur des Malers Klingsor finden sich starke autobiografische Züge Hesses, der sich in dieser Zeit schreibend einer quälenden Selbstanalyse unterzog.

Nisslmüller schlüpft – in kargem Bühnenbild – durch An- und Ablegen des typischen Leinenjacketts und der runden Brille von Hesse oder des Malerkittels von Klingsor in die beiden Rollen. Mit starker Mimik und Gestik und viel Bewegung gelingt es Nisslmüller, die Konfrontationen der beiden Figuren mit der Realität überzeugend darzustellen: „Die Natur hat mehr als 10 000 Farben, und wir haben uns in den Kopf gesetzt, sie mit 20 zu gestalten“, resümierte Klingsor.

Reflexionen über die Liebe und Hesses zweite Frau Ruth Wenger, die Klingsor „ganz in Rot als brennende Flamme“ malen will, waren emotionale Höhepunkte. Und immer wieder diese Melancholie: „Das Leben könnte ertragen werden, wenn es nur einen Schritt nach vorne ginge.“ Nisslmüller brachte Hesse als Literaten der Krise überzeugend auf die Bühne und bekam viel Applaus.

Die Besucherin Ursel Schwarz fand die neue Plattform „ganz toll. Das ist Klasse, dass wir jetzt so etwas in Neumünster haben“, meinte sie. Auch Jesko Vorbeck (17) gefiel es gut. Hesse sei interessant: „Das passt zur Jugend, die auch ständig Wandel erlebt und Vergleiche zieht.“ Sünne Höhn vom Kulturbüro, die „Freiraum“ ins Leben rief, war ebenfalls zufrieden: „Ein ganz toller Anfang. Herrlich, wie mit wenig Mitteln eine ganz schwarze Bühne mit Phantasie und Leben erfüllt wurde. Das ist ein besonderes Podium für besondere Literatur.“

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