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Niederdeutsche Bühne : Viel Applaus und Bravo-Rufe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Starker Auftakt der neuen Spielzeit mit „Mien Mann will mehr – Offene Zweierbeziehung“. Zwei-Personen-Stück ist exzellent besetzt

von
erstellt am 05.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Neumünster | Wenn man zufällig ein Theaterensemble zu leiten hat, dann braucht man für ein gelungenes Stück nicht unbedingt Weltstars auf der Bühne und die Berliner Philharmoniker im Orchestergraben. Es kann reichen, sich einen exzellenten und bewährten Stoff einzukaufen, einen pensionierten Lehrer als Regisseur sowie ein Schauspieler-Paar aus Bordesholm zu verpflichten. So hat es der Chef der Niederdeutschen Bühne (NBN) für den Auftakt der 93. Spielzeit gemacht. Am Freitagabend feierte „Mien Mann will mehr – Offene Zweierbeziehung“ die viel umjubelte Premiere.

Bühnenleiter Dieter Milkereit und sein Stellvertreter Frank Juds traten zu Beginn vor den Vorhang, um mit Babett Schwede-Oldehus vom Verein zur Förderung der Kunst den ersten Ehrengast der neuen Saison zu begrüßen und die 120 Premierengäste auf die neue Spielzeit einzustimmen. „In der letzten Saison hatten wir ein leichtes Zuschauerplus. Wir gucken beruhigt in die Zukunft“, sagte Milkereit.

Und dann legten Birgit Bockmann und Jürgen Goldkamp los. Gut zwei Stunden lang (inklusive Pause) gaben sie dem Publikum in dem Zwei-Personen-Stück von Franca Rame und Dario Fo einige tiefe Einblicke in die Ehe von Anna und Ben. Er betrügt sie ständig; sie weiß das und kämpft um ihn mit allen Mitteln, auch mit regelmäßigen Selbstmorddrohungen. Er beteuert, dass er seine Frau liebt, und schlägt ihr eine offene Zweierbeziehung vor: Jeder soll tun und lassen können, was er möchte; nur gegessen wird zu Hause.

Anna lässt sich darauf ein, demütigt sich selbst sogar vor ihrem Sohn – und möchte auch gern so leicht von Blüte zu Blüte fliegen, wie ihr Mann das offenbar kann. Als sie dem dann von ihrem viel jüngeren, viel schlaueren Liebhaber berichtet, dreht der Gatte durch. So war das ja nun auch nicht gemeint! Am Ende sind es nicht einmal mehr die Trümmer einer Ehe.

Regisseur Wolfgang Schütz hat das Stück mit sanfter Hand bearbeitet und so gekonnt in Szene gesetzt, dass es nur so dahinfliegt. Er profitiert dabei von seinen beiden Schauspielern. Jürgen Goldkamp spielt in der Rolle des Ben seine Stärken aus: die Heiterkeit, die Ironie und manchmal dieser herrlich dösige Blick. Seine Frau Birgit Bockmann zeigt allerdings noch mehr, nämlich die komplette Bandbreite der Gefühle – von Angst im Bauch bis zum Jubel in den Augen, gern auch gleichzeitig. An Gestik, Mimik, Stimme und Hüftschwung erkennt man die professionelle Ausbildung der Schauspielerin und Regisseurin, die auch schon beim Ohnsorg-Theater reüssiert hat. Die Premierengäste spendeten viel Applaus für einen beeindruckenden Theaterabend, und für Birgit Bockmann gab es sogar Bravo-Rufe. Mit Recht.

 

Weitere Aufführungen: 5. bis 7. Oktober (20 Uhr, alle Studio), 8./9. Oktober (20 Uhr, Theater in der Stadthalle), 10. Oktober (20 Uhr) und 11. Oktober (16 Uhr, beide Studio). Eintrittskarten gibt es für 11 bis 13 Euro (Studenten/Schüler 5 Euro) bei Auch & Kneidl, Restkarten an der Abendkasse.

 

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