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Großes Kabarett : Viel Applaus für einen Ehestreit auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Hamburger Schauspieler Jennifer und Michael Ehnert begeisterten in der ausverkauften Werkhalle mit ihrem Programm „Küss langsam“.

Ehnert gegen Ehnert – zwei leidgeprüfte Beziehungskampfexperten tobten sich am Mittwochabend so richtig auf der Bühne aus, um den anderen, den Partner, fertig zu machen. Eigentlich ist alles zu Ehekrieg oder Partnerschaftsstreit gesagt, kaum ein Kalauer, der nicht bekannt ist. Was aber die Hamburger Schauspieler Jennifer und Michael Ehnert in der ausverkauften Werkhalle mit ihrem kabarettistischen Sprechtheater (eigentlich schon Action-Kabarett) boten, war die hohe Schule der Mann-Frau-Beziehungen. Dabei agierten sie ständig auf zwei Ebenen: Da war ihre Rolle als Bulle und Journalistin in einer Fernsehserie „Küss langsam“ (so auch der Name des Programms) und die, in ihrem „richtigen“ Leben. Das war oft gar nicht so leicht auseinanderzuhalten, aber darauf kam es auch nicht an. Die Zuschauer ergötzten sich am Zweikampf, wobei keiner auch nicht die geringste Schwäche des andern ausließ, um sich in einen Vorteil zu bringen. Es ging nicht gerade zimperlich zu: „Du verspannte Krampfader“, musste sie sich anhören. Und auf ihre Bemerkung „Zu ziehst nicht in Erwägung, dass du dich geirrt hast“, kommt ein demonstratives „Nö!“ von ihm. Jede neue Runde begann fast harmlos und endete mit einem Exzess von Beschimpfungen. Einfach haarsträubend köstlich. „Du bist auch nicht froh, wenn du mal nicht beleidigt bist“, war da noch eine harmlose Bemerkung.

Zusätzlich zu ihren ehelichen Auseinandersetzungen gelang es ihnen auch noch, politische Aufreger wie beispielsweise die Elbphilharmonie oder den Hauptstadtflughafen (und auch die kalte Werkhalle) in ihre Debatten einzubeziehen. Tollen Szenenapplaus erhielten Jennifer und Michael Ehnert bei der „Perfektionierung“ ihrer Rollen in der fiktiven Serie „Küss langsam“. Dabei musste beispielsweise bei der Verfolgung von Verbrechern ein Anwohnerparkplatz umgangen werden“, denn „so viel ist den Mietern nicht zuzumuten“. Beide brillierten mit messerscharfen und logisch perfekten Dialogen, die sie mimisch gekonnt unterstützten. Sie waren sich aber auch nicht zu schade, Schwächen des eigenen Geschlechts einzuräumen. Trotz aller Streitereien: Am Ende lag sich das Paar doch wieder in den Armen. Die Zuschauer belohnten die beiden Akteure mit lange anhaltendem Applaus, wohl auch aus der Sicht, dass sie selbst das eine oder andere, was auf der Bühne stattfand, in ihrer Partnerschaft schon erlebt hatten.

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