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Holsteinischer Courier

16. Dezember 2017 | 08:56 Uhr

Viel Applaus für ein tolles Spiel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 13:39 Uhr

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns zum ersten Mal gemeinsam auf Tournee! Die Möglichkeit, diese populären Schauspieler live zu sehen, wollten sich die Neumünsteraner nicht entgehen lassen. Sie füllten das Theater in der Stadthalle am Sonnabend bis auf den letzten Platz und applaudierten den Protagonisten am Ende heftig.

Die Niederländerin Maria Goos schrieb das Stück „Der letzte Vorhang“ (deutschsprachige Uraufführung im Dezember 2011 am Renaissance-Theater Berlin mit von Borsody und Warns), bei dem das Publikum durchaus Mühe hatte, allen textlichen Verstrickungen und Verkomplizierungen zu folgen. Das Schauspiel auf mehreren Zeit-, Orts- und Gefühlsebenen konzipierte Maria Goos für zwei Schauspieler, denen Wandlungsfähigkeit, Präzision und Ausstrahlung zur Verfügung stehen müssen, um die Rollenfiguren Richard van Berkhoven und Liesbeth Tinberge fesselnd zu gestalten. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns hatten diese Fähigkeiten.

Lies und Richard lernten sich auf der Schauspielschule kennen und lieben, feierten 20 Jahre lang gemeinsam auf der Bühne Erfolge – bis Lies vor zehn Jahren völlig unerwartet heiratete und nach Südfrankreich zog. Seitdem steckt Richard in einer Schaffens- und Alkoholkrise, und nur Lies kann seine neue Inszenierung noch retten. Schnell leckt sie wieder Theaterblut, die Probenszenen nach Edward Albees Theaterrenner „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ gelingen Lies und Richard hervorragend und spiegeln gleichzeitig ihre ambivalente Beziehung zueinander.

Die Aufführung begann – so dachte man zunächst – mit einer Bühnenprobe zwischen dem Regisseur-Schauspieler Richard und einer völlig unbegabten Darstellerin, die sich an einem komplizierten Dialog abarbeiteten. Irrtum! Lies und Richard spielten den Rausschmiss einer talentfreien Mimin nur genüsslich nach. Die Proben am Stück im Stück waren die eine Handlungsschiene, die zweite entwickelte sich aus den Erinnerungen und dem Nachspielen gemeinsam erlebter Situationen. Diese verschiedenen Ebenen bastelte Maria Goos zu einer nicht immer nachvollziehbaren Handlung zusammen. Ein durchgängig roter Faden war schwer zu finden, auch wenn es den Darstellern oft gelang, die Umbrüche (auch mit Hilfe des Lichts) deutlich zu machen.

Sie spielten die Szenen mit nuancenreichen schauspielerischen Mitteln, mit vielen Zwischentönen, aber auch mit Witz, Ironie und beredter Körpersprache. Hervorragend war Guntbert Warns, der alle diese Facetten unaufgesetzt unter einen Hut brachte. Große Anerkennung für Suzanne von Borsodys Freude am Rollenspiel mit vielen erheiternden und ernsten Momenten. Nach zwei Stunden zeigte die leise letzte Szene zwei Menschen (Warns spielte hier die Rolle von Lies‘ Ehemann) in großer Vertrautheit, aber auch spürbarer Resignation. Für Lies war „Der letzte Vorhang“ gefallen. Großer anerkennender Beifall für Suzanne von Borsody und Guntbert Warns.

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