Glocken-Geburtstag : Vicelin-Glocke wird geehrt

„Soli deo gloria“ (Zu Ehren Gottes) lautet die Inschrift auf der großen Glocke der Vicelinkirche, deren Klöppel Pastorin Simone Bremer hier hält. Die weitere Inschrift weist darauf hin, dass der Amtsverwalter des dänischen Königs den Guss der Glocke angeordnet hat: „Krieg und Einigksein schenkt mir das Leben, welches Fried und Streit nicht kunte geben. Heinrich Ernst von Würzen Könichlicher Dennemarckischer Amtsverwalter“.
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„Soli deo gloria“ (Zu Ehren Gottes) lautet die Inschrift auf der großen Glocke der Vicelinkirche, deren Klöppel Pastorin Simone Bremer hier hält. Die weitere Inschrift weist darauf hin, dass der Amtsverwalter des dänischen Königs den Guss der Glocke angeordnet hat: „Krieg und Einigksein schenkt mir das Leben, welches Fried und Streit nicht kunte geben. Heinrich Ernst von Würzen Könichlicher Dennemarckischer Amtsverwalter“.

Vor 300 Jahren wurde sie am Kleinflecken gegossen / Festgottesdienst am Pfingstsonntag

shz.de von
14. Mai 2016, 08:00 Uhr

Neumünster | Sie begleitet die Neumünsteraner mit ihrem Geläut zu Hochzeiten, Todesfällen und Geburten, läutete bei Feuersbrünsten und Seuchen: Vor 300 Jahren wurde die große Glocke der Vicelinkirche gegossen – und sie hat eine wechselvolle Geschichte. Ihr zu Ehren wird am Pfingstsonntag ein Festgottesdienst gefeiert.

„Die erste große Glocke der Vicelinkirche wurde 1596 gegossen, aber sie hatte einen Sprung. Die Neumünsteraner wollten zunächst keine neue, weil das zu teuer war“, berichtet Pastorin Simone Bremer von der Vicelingemeinde. Die jetzige Glocke wurde verordnet: Nach dem großen Nordischen Krieg wurde das herzogliche Holstein von den Dänen besetzt. Heinrich Ernst von Würzen, der 1715 vom dänischen König Friedrich IV. eingesetzte Amtsverwalter, befahl, dass eine Glocke gegossen werden sollte. Die 2,2 Tonnen schwere Glocke wurde von Conrad Kleimann vor der Tür des Hauses des Magisters am Kleinflecken gefertigt, die flüssige Bronze der Vorgängerglocke in einen riesigen Tonkörper gegossen.

Um sie zu finanzieren, hatten die Neumünsteraner Schmuck und Geld gespendet – und hingen fortan an „ihrer“ Glocke. Ein Gesuch von Hamburgern, die die Glocke wegen ihres Wohlklangs kaufen wollten, wurde rigoros abgelehnt.

Die Glocke überstand im Laufe der Jahrhunderte so manches Malheur. 1762 stürzte sie beim Totengeläut für Zar Peter III. ab. Damals hing sie noch in der Bartholomäuskirche, der Vorgängerin der Vicelinkirche. Wundersamerweise überstand sie den Sturz, blieb unten liegen. 1811 wurde die Bartholomäuskirche abgerissen, 1834 die Vicelinkirche eingeweiht. Die Glocke wurde unter Denkmalschutz gestellt. Ihre zwei Begleitglocken dagegen wurden zweimal erneuert (1925 und 1961). „Zu jedem Vaterunser wird unsere große alte Glocke, also unser Geburtstagskind, allein geläutet, damit auch alle, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können, mit einstimmen können in das Gebet“, sagt die Pastorin.

Nach dem Festgottesdienst am Pfingstsonntag gibt es um 12.30 Uhr eine Führung zur Glocke in den Turm hinauf. In Arbeit ist auch ein Hörspiel von Gemeindemitgliedern unter Leitung des Autoren Arne Sommer, das am 11. September aufgeführt werden soll.

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