VfR spielt ab sofort in der Grümmi-Arena

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12. Februar 2011, 03:59 Uhr

Neumünster | Seit Juni 2009 hat er ihn gesucht, jetzt hat er ihn gefunden. Der VfR Neumünster hat in Person seines 1. Vorsitzenden Herbert Sander im Teich potenzieller Investoren geangelt und den lang ersehnten interessanten Fisch an Land gezogen: Gerd Grümmer. Der in der Lebensmittelbranche tätige Unternehmer - er führt vier Edeka-Filialen (in Einfeld, Tungendorf, der Innenstadt und Boostedt) - sicherte sich die Namensrechte am VfR-Stadion, das rückwirkend ab 1. Januar 2011 "Grümmi-Arena" heißt.

Über die Höhe der Zuwendungen Grümmers und auch über die Vertragslaufzeit der von der Stadt Neumünster abgenickten Zusammenarbeit wurden keine Angaben gemacht. Es sei ein langfristiges Engagement, bei dem es nicht um fünf Euro gehe, sondern das beide Parteien glücklich mache, wurde unisono betont. Und so kann nur spekuliert werden, was die entscheidenden Punkte angeht. Wahrscheinlich ist eine zunächst auf zehn Jahre befristete Zusammenarbeit, die Rasensport jährlich eine Summe im niedrigeren fünfstelligen Bereich einbringen dürfte. So kalkuliert der Traditionsclub in seinem laufenden Haushaltsplan mit Sponsoreneinnahmen und Spenden in Höhe von 86 000 Euro, zuvor lag der Wert bei 107 000 Euro. Gut möglich also, dass künftig Grümmer für eben jene Differenz geradesteht.

"Ich bin ein alter VfR-Mann, habe bei diesem Verein 1973 selbst mit dem Fußballspielen begonnen, ehe mich ein ärztlicher Rat zur Aufgabe bereits im B-Jugendalter zwang", plauderte Grümmer aus dem Nähkästchen. Der 50-Jährige, dessen Märkte künftig die Bezeichnung "Grümmi" tragen ("Denn wir stehen vor einem Generationenwechsel in unserem Unternehmen."), gab preis, Sander habe ihn mit einer "fröhlichen Penetranz" (O-Ton) zu einem Engagement bei den Lila-Weißen bewegt: "Irgendwann musste ich ganz einfach ,ja sagen." Mit dem Unternehmer, der vielen Sport- und Partyfreunden als Organisator der Public Viewings in Neumünster zu Welt- und Europameisterschaften bekannt ist, dürfte ein neuer Schwung an der Geerdtsstraße einkehren. Grümmer kündigte an, bei Heimspielen die eine oder andere Aktion für die Zuschauer zu starten, auch im völlig eingeschlafenen Marketingbereich des VfR solle sich einiges verändern. "Der Name ,Grümmi soll transportiert werden und in der Stadt präsent sein. Wir müssen eine Win-win-Situation schaffen, von der beide Seiten profitieren", erklärte Grümmer. Gleichwohl werde er aber keinen Vorstandsposten bei Rasensport bekleiden, betonte der 50-Jährige. Auch bezeichnete er Befürchtungen der Traditionalisten und Alt-Rasensportler, er wolle den VfR untergraben, um die Position des ihm ebenfalls am Herzen liegenden FC Torpedo zu stärken, als unbegründet. Immerhin sind es ausgerechnet die "Taubenträger", die seit Beginn der Saison 2010/2011 auf dem VfR-Gelände spielen und trainieren. "Das ist reiner Zufall", meinte Grümmer und nannte die Symbiose beider Vereine "eine tolle, ja intelligente Lösung". Schließlich seien, so Grümmer, Lila-Weiß und Torpedo zwei unterschiedliche Clubs mit völlig unterschiedlichen Kulturen: "Und das passt trotzdem oder gerade deswegen richtig gut."

Mit dem Engagement Grümmers dürften viele Fans die Hoffnungen auf den Bau der seit einer Ewigkeit erträumten Tribünenüberdachung an der Geerdtsstraße wieder intensivieren. "Beim VfR trocken stehen, kann ja durchaus sexy sein", zwinkerte der Unternehmer und ergänzte: "Momentan ist meine Ausstrahlung virtuell. Wenn der VfR eine Klasse höher spielen wird, könnte ein Tribünendach zum Thema werden. In diesem Fall wäre ein enger Dialog mit dem Verein vonnöten."

Apropos höher spielen: Eine Regionalligabewerbung werde es in diesem Frühjahr definitiv nicht geben, verriet Herbert Sander. "Wir greifen erst nach der Reform im kommenden Jahr an", sagte der 83-Jährige und kündigte an, nun die Vertragsgespräche mit Chefcoach Ervin Lamce sowie den Spielern zu forcieren, um tatsächlich für 2011/2012 gewappnet zu sein. Auch werde die zweite Mannschaft des VfR über die laufende Serie hinaus eigenständig bleiben und nicht etwa, wie es zuletzt in Neumünsters Fußballkreisen immer wieder hieß, eine Spielgemeinschaft mit Torpedos Ligateam bilden.

Ein positives Echo fand die Vertragsunterzeichnung mit Grümmer beim Fördervereinsvorsitzenden der Rasensportler, Carsten Mehne. "Das ist eine Chance für die Bürger dieser Stadt, sich des Themas VfR anzunehmen und nicht immer auf den Club draufzuhauen. Hut ab vor Grümmer. Das ist ein geiles Signal für Lila-Weiß", erklärte er. Auch VfR-Schatzmeisterin Elke Sander frohlockte: "Es herrscht Aufbruchstimmung. Mit dem Engagement Grümmers steuert unser Verein einer rosigen Zukunft entgegen."

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