zur Navigation springen

Ervin Lamce : VfR-Mannschaft stellt sich gegen den Trainer

vom

Ervin Lamce ist nicht mehr Trainer des Fußball-Regionalligisten VfR Neumünster. Auf Druck der Mannschaft musste der seit 2007 im Amt befindliche Coach gehen. Lamce soll zu hart im Umgang gewesen sein.

Neumünster | Es klingt wie ein Aprilscherz, doch es ist die harte Fußball-Realität: Der Traditionsclub VfR Neumünster und Ervin Lamce gehen ab sofort getrennte Wege. Am späten Dienstagabend war das Aus des A-Lizenz-Inhabers nach sechseinhalb Jahren als Trainer des aktuellen Regionalliga-Tabellenneunten besiegelt. Mit Lamce geht der dienstälteste Übungsleiter in der knapp 104-jährigen Vereinsgeschichte der Lila-Weißen. Insgesamt 218 Mal war er in Meisterschaftsspielen der Hauptverantwortliche an der Seitenlinie. Die Trainingseinheit am Dienstag leitete bereits der bisherige „Co“ Helmut Szpadzinski, der vorerst zum Interimscoach bei Rasensport aufgestiegen ist.

In den späten Abendstunden des Dienstags saßen Lamce und Teile des Vorstands - Vereinsboss Detlef Klusemann und 3. Vorsitzender Jörg Zenker - dreieinhalb Stunden zusammen. Dort wurde dem 41-Jährigen mitgeteilt, dass sich ein Großteil der Mannschaft in einer Sitzung am Montagabend klar gegen den bisherigen Coach positioniert hatte. Für Lamce war das keine Überraschung mehr. Denn zuvor war bereits durchgesickert, dass es für ihn eng werden könnte. „Ich bin kein Trainer mehr“, sagte Lamce rund eine Stunde vor der Sitzung am Dienstag in einem Telefonat mit dem Holsteinischen Courier, in dem es eigentlich um das Testspiel beim Verbandsligisten Concordia Schönkirchen (am heutigen Mittwoch, 19 Uhr) gehen sollte. Diese Partie rückt nun aber völlig in den Hintergrund. „Man wirft mir vor, ich sei im Umgang mit den Spielern zu hart gewesen“, erklärte Lamce und ergänzte: „Ja, ich war und bin unbequem. Doch war ich immer geradlinig. Schließlich betreiben wir Leistungssport an der Grenze zum Profitum.“ Seit 1998 war er als Spieler, Co-Trainer und Chefcoach beim VfR tätig - eine in heutigen Zeiten fast ungewöhnliche Vereinstreue.

Das Kuriose an der Geschichte: Vereinsvorsitzender Detlef Klusemann wollte die Trennung von Lamce weder kurz vor der Sitzung am Dienstag noch danach, kurz vor Mitternacht, offiziell bestätigen. „Wir wollen erst mit der Mannschaft sprechen. Das werden wir vor dem Spiel in Schönkirchen tun", erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Doch Lamce bestätigte in einem weiteren Telefonat mit der Courier-Sportredaktion am frühen Mittwochmorgen, dass er nicht mehr im Amt sei. Er sei von Klusemann am Dienstagabend gefragt worden, ob er weitermachen wolle. „Unmöglich. Die Basis ist doch völlig zerstört. Was soll ich mit einer Mannschaft, die nicht hinter mir steht?“, sagte Lamce. Mittlerweile hat auch Klusemann eingelenkt und die Trennung offiziell bekannt gegeben. Dabei betonte er: „Wir haben Lamce nicht entlassen. Es wäre falsch, diesen Terminus zu benutzen.“

Der VfR startet am kommenden Sonnabend mit dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV II in die Regionalliga-Restrunde (Anstoß 13 Uhr). Die Vorbereitung auf die im Kampf um den Klassenerhalt möglicherweise wegweisende Partie wird durch die Trennung von Lamce empfindlich gestört. Denn nun wird es auch um Abfindungsmodalitäten gehen. Er werde nie ein böses Wort über den VfR verlieren, erklärte Lamce, dessen Vertrag bei den Lila-Weißen noch bis zum 30. Juni dieses Jahres läuft. „Doch ich werde auch nicht auf Geld verzichten. Schließlich habe ich mir nichts zu Schulden kommen lassen und gehe erhobenen Hauptes.“

zur Startseite

von
erstellt am 05.Feb.2014 | 08:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen