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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 10:07 Uhr

Gedenktag : Vertreibung ist noch aktuell

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vertriebenen-Verbände gedachten der Charta, die 1950 zum Verzicht auf Vergeltung und zum Bekenntnis zu Europa mahnte

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Gedenkstein im Friedenshain am Junglöwweg würdigten gestern Vertreter des Bundes der Vertriebenen (BDV)/Vereinigte Landsmannschaften ein besonderes Datum: Vor 64 Jahren wurde in Stuttgart feierlich die Charta der deutschen Heimatvertriebenen besiegelt. Darin betonten die Neubürger, dass auf Rache und Vergeltung verzichtet und „mit allen Kräften“ die Schaffung eines geeinten Europas unterstützt werde – ein Thema, das auch heute angesichts weltweiter Flüchtlingsströme und der Europa-Debatte erschreckend aktuell ist.

Willi Treetzen, Vorsitzender der BDV-Kreisgruppe, betonte, dass die Geschichte des BDV eine Geschichte von Aussöhnung und Brückenbau sei. Es gelte, die Kontakte zu jenen Menschen zu knüpfen und zu gestalten, die in den ehemaligen Heimatgebieten – Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen – lebten. Er zitierte aus der Charta, dass sich die Vertriebenen zu einem geeinten Europa bekannten, in dem „die Völker ohne Furcht und Zwang leben können“ – ein Europa, das „viele heute nicht zu schätzen wissen“, sagte Treetzen.

Das Vertriebenen-Thema ist für ihn nach wie vor aktuell. Treetzen zitierte Pastor Tobias Gottesleben von der Bonhoeffer-Gemeinde. Der hatte auf dem Tag der Heimat am Sonntag appelliert, „die Herzen zu öffnen für diejenigen, die die Heimat aus großer Not verlassen mussten“. Er lobte die Arbeit im Flüchtlingscafé Vis-à-Vis. Auf Landesebene dürfe das Thema Vertreibung nicht versanden, sagte Treetzen und unterstrich, dass die Patenschaft Schleswig-Holsteins zu Pommern lebendig bleiben müsse.

Er und der BDV-Landesvorsitzende Fedor Mrozek lobten einhellig das Wirken der scheidenden Bundesvorsitzenden Erika Steinbach und das von ihr etablierte „Zentrum gegen Vertreibungen“. Es gebe einen Wandel im Gedankengut, stellten Treetzen und Mrozek fest. „Das ist Geschichte, die man für die Gegenwart erhalten muss“, so Mrozek. Das Thema der Vertreibung sei kein Randthema, sondern müsse gesamtgesellschaftlich aufgegriffen und diskutiert werden. Es sei zu begrüßen, dass Erika Steinbach die Diskussion um einen bundesweiten Gedenktag angestoßen habe. Vom Friedenshain zeigte sich der Landesvorsitzende beeindruckt: „Das ist hier ein stimmiges Ambiente, sehr würdevoll.“

In Hinsicht auf die älter werdenden Mitglieder der Verbände hatte Treetzen einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir in der Nähe der Gedenksteine der Landsmannschaften zwei Sitzbänke hätten.“ Außerdem werde angedacht, ob die Gedenksteine, die einst großzügig im Kreis platziert wurden, jetzt zusammengerückt und einige, die im Hintergrund stünden, nach vorne gesetzt werden könnten. In Hoch-Zeiten kamen Hunderte, jetzt nur noch rund 50 Besucher. Am gestrigen Tag war es nur eine Handvoll – in den Ferien sind viele Großeltern im „Enkeldienst“.

 

 
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