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Arpsdorf : Versuch: Jakobskreuzkraut soll wachsen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf einer riesigen Fläche bei Arpsdorf wächst das giftige Kraut ungehindert, und das ist vom Verein Weidelandschaften so gewollt

Auf einer Fläche von rund 20 Hektar wächst zwischen Arpsdorf und Willenscharen das giftige Jakobskreuzkraut. Im Hochsommer ist die Fläche so dicht bewachsen, dass vorbeifahrende Autofahrer das Areal für ein gelb blühendes Rapsfeld halten. Überall wird das Kraut wegen seiner Giftigkeit von den Koppeln verbannt, damit insbesondere Kühe und Pferde keinen Schaden erleiden. Doch auf dieser Fläche soll es versuchsweise weiterwachsen.

Eigentümerin der Fläche bei Arpsdorf ist die Stiftung Naturschutz. Gepachtet hat das Land der Verein Weidelandschaften, dessen Mitglieder seit Jahren darauf zur Pflege des dortigen Schutzgebietes Robustrinder weiden lassen.

Die Giftigkeit des Jakobskreuzkrautes beruht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidinalkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen können. Doch für die Rinder in Arpsdorf sieht der Verein keine Gefahr. „Unsere Tiere gehen nicht an die Pflanzen ran“, sagte die stellvertretende Vorsitzende von Weidelandschaften, Hildegard Widowski aus Kropp. Darüber hinaus berichtete sie, dass die Stiftung dem Verein eine chemische Bekämpfung der Weidefläche untersagt. „Mechanisch könnten wir das Jakobskreuzkraut bekämpfen, doch in Arpsdorf läuft ein Projekt, um in Erfahrung zu bringen, ob sich durch eine ganzjährige Beweidung die Grasnarbe so schließt, dass das Jakobskreuzkraut von selbst zurückgeht. Und dabei setzen wir auch auf den Jakobskrautbären“, sagte Hildegard Widowski. Das ist ein Schmetterling, und er gilt als biologische Waffe gegen das Krautgewächs (der Courier berichtete), weil die Raupen die Giftpflanze im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gerne haben. Um gesicherte Erkenntnisse zu bekommen, ist das Projekt, das seit etwa vier Jahren läuft, auf rund zehn Jahre angesetzt. Die Weidenutzung durch die Rinder erachtet die stellvertretende Vereinsvorsitzende als unproblematisch, weil das Jakobskreuzkraut Bitterstoffe enthält, die die Tiere davon abhalten, die Pflanze zu fressen.

Probleme kann es zum Beispiel geben, wenn das Kraut in die Silage gelangt. Die Giftstoffe werden mit der Heu- oder Silagebereitung nicht abgeschwächt, aber verlieren ihren bitteren Warngeschmack. Das kann fatale Folgen haben: Eine etwa 700 Kilogramm schwere Kuh hat zum Beispiel mit der Aufnahme von 100 Kilogramm Jakobskreuzkraut bereits die tödliche Dosis erhalten, auch wenn sie die nicht auf einmal frisst.

Auf diese Weise starben bei einem Landwirt aus Arpsdorf, der nicht genannt werden möchte, vor acht Jahren gleich drei Milchkühe. „Die Ursache war das Jakobskreuzkraut. Das haben die Untersuchungen des Veterinäramtes zweifelsfrei ergeben. Ich muss eingestehen, dass es aus Unwissenheit geschehen ist“, sagte der Tierhalter, der damals seine Wiesen für Heu- und Silagefutter mähte und dabei den Kühen auch die Giftpflanze zu fressen gab. Heute hält sich der Landwirt an die Empfehlung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, durch regelmäßiges Nachmähen von Grünlandflächen das Blühen und insbesondere die Samenbildung der Pflanzen zu verhindern.

Den Gartenfreunden wird geraten, die Pflanze samt Wurzel mit Handschuhen zu entfernen und in die Mülltonne zu werfen. Nur bei Arpsdorf wird das Kraut wohl auch in diesem Jahr wieder üppig in voller Blüte stehen.






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erstellt am 16.Jan.2014 | 17:00 Uhr

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