Grossharrie : Verletzter Seeadler saß im Knick

Tierarzt Dr. Johannes Frahm  untersuchte den  völlig abgemagerten Seeadler genau. Er stellte Verletzungen an den Flügeln fest.
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Tierarzt Dr. Johannes Frahm untersuchte den völlig abgemagerten Seeadler genau. Er stellte Verletzungen an den Flügeln fest.

Ein Paar aus Großharriefeld fand den völlig abgemagerten Vogel. Die Suche nach Experten gestaltete sich schwierig. Jetzt erholt sich das Tier in der Klinik.

shz.de von
11. Juni 2014, 06:00 Uhr

Grossharrie | Der König der Lüfte – er lag am Boden. Am Ende wurde der verletzte Seeadler gerettet, in einer Tierklinik wird das Tier nun aufgepäppelt.

Gefunden hatten ihn Stefanie Wulf und Jan-Henrick Jahns aus Großharriefeld. Beide wollten am Pfingstmontag nur einige Fliederbeerenblüten sammeln. Doch plötzlich fiel ihnen am Waldrand ein still im Halbdunkel hockender Vogel auf. Es war ein Seeadler – offenbar schwer verletzt. Mit herabgesenktem Kopf saß der Vogel auf einem Ast dicht über dem Boden. Weil das Paar bei der Rettung des Vogels nichts falsch machen wollte, suchte es sich fachkundige Hilfe. Das aber war gar nicht so einfach.

Im Wildpark Eekholt seien beide zunächst an die Projektgruppe Seeadlerschutz in Kiel verwiesen worden. Doch dort sei der Ansprechpartner Volker Latendorf zunächst nicht erreichbar gewesen. Auch die eigenen Fachkenntnisse halfen Jan-Henrick Jahns, der selbst Jäger ist, nicht weiter. Obwohl der Seeadler dem Jagdrecht unterliegt, wenn auch ganzjährig geschont, war sich der Jäger nicht sicher, wie er rechtlich mit dem Vogel umgehen sollte. Das Problem lag in der Aneignung des Tieres, die beim lebenden Seeadler als sogenanntes Schonzeitvergehen ausgelegt werden könnte.

Jagdkamerad Carsten Röpke aus Großharrie konnte letztlich weiterhelfen. Gemeinsam mit einem weiteren Experten entschied er: „Tierschutz geht vor!“

Wenig später brachten die Retter den Seeadler nach Wasbek zur Tierarztpraxis von Dr. Johannes Frahm. Die Untersuchung und ein Röntgenbild zeigten: Dem linken Flügel fehlten die äußeren Federn der sogenannten Handschwinge. Außerdem war ein Bruch zu sehen. Auch am rechten Flügel gab es Abschürfungen. „Die Verletzungen sprechen für einen Unfallflug in einer Hochspannungsleitung“, vermutete Frahm. Allerdings musste das Ereignis einige Zeit zurückliegen.

Beim Jagen dürfte der Vogel kaum mehr erfolgreich gewesen sein. Bis auf die Knochen abgemagert wog der Seeadler nur noch 2,5 Kilo statt vier bis fünf Kilogramm, die ein gesunder Adler auf die Waage bringt.

Als Soforthilfe gab es zunächst eine Infusion. Auch die die Projektgruppe Seeadlerschutz wurde mit einbezogen. Dabei wurden sind auch die Daten über den Vogel bekannt geworden: Es handelt sich um einen vier Jahre alten Seeadler, der am 14. Mai 2010 in Hohenfelde geschlüpft ist. Das zeigte die Beringung des Tieres.

Gestern nun konnte die Retter aufatmen, der Seeader kommt zu Kräften: „Die Behandlung hat vorerst geholfen. Der Vogel ist auf den Beinen und hat die ersten sechs toten Kücken verspeist“, teilte die Tierarztpraxis mit. Wenn der Adler sich in den nächsten Tagen weiter erholt, soll die Pflegestation im Wildpark Eekholt den Vogel übernehmen.

> Volker Latendorf von der Projektgruppe Seeadlerschutz möchte jetzt die Informationen über Hilfestellungen und Ansprechpartner im Internet verbessern. Wer einen verletzten Seeadler findet, kann sich an die Projektgruppe Seeadlerschutz, Tel. 0171-9206566 (Volker Latendorf) oder die Naturschutzbehörden der Kreise und die zuständigen Jäger wenden. Letztere können unter anderem bei der Polizei erfragt werden.
 

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