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Großflecken : Verkehrsversuch soll Pause machen – wegen Weihnachten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der OB schlägt vor: Der Verkehrsversuch soll für das Weihnachtsgeschäft unterbrochen werden. Die Ratsversammlung muss zustimmen.

Neumünster | Der Protest der Einzelhändler scheint zum Erfolg zu führen: Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras will der Ratsversammlung auf einer Sondersitzung am 5. November vorschlagen, den Verkehrsversuch sofort zu unterbrechen, damit das Weihnachtsgeschäft davon nicht gestört wird. Wenn die Politiker zustimmen, könnte der Verkehr bereits am 6. November wieder über den Großflecken rollen. Auch die Beschränkungen und Umleitungen in den Nebenstraßen werden dann sofort aufgehoben.

Tauras plant, den Versuch am 1. Februar oder 1. März fortzusetzen. Bis zum Bürgerentscheid am Tag der Europawahl (25. Mai 2014) bleibt der Großflecken wieder für den Durchgangsverkehr gesperrt. „Dann ist der Eindruck ganz frisch, und die Neumünsteraner können entscheiden, wie sie die Innenstadt künftig haben wollen“, sagte Tauras gestern vor der Presse. Diese Entscheidung habe er am Montag gefällt und sie am Mittwoch dem Beirat für den Verkehrsversuch mitgeteilt. Investor ECE hat zugestimmt und der Stadt eine Fristverlängerung gegeben, denn laut Vertrag hätte die Stadt eigentlich bis Februar 2014 entscheiden müssen, wie ECE den Gänsemarkt umbauen soll. Schließlich sind die zusätzlichen Verkehrsströme durch die „Holsten-Galerie“ der eigentliche Anlass für den Verkehrsversuch.

Woher kam bei Tauras der Sinneswandel? „Ich habe sehr viele Beschwerden von Einzelhändlern und Marktbeschickern bekommen, weil die Umsätze einbrechen. Das nehmen wir in der Verwaltung sehr ernst. Darum wollen wir den Versuch unterbrechen“, sagte Tauras gestern vor der Presse. Allerdings sei dafür ein Ratsbeschluss nötig, den er am 5. November zu bekommen hofft. Die Chancen stehen gut, denn CDU, FDP und BFB/Piraten haben bereits den Abbruch gefordert und zusammen eine Mehrheit im Rat.

Die Großfleckensperrung sieht Tauras zum Teil „durchaus als ein Erfolg“, denn der Autoverkehr sei deutlich zurückgegangen, die Aufenthaltsqualität dadurch besser geworden. Das Problem sei die Bündelung mit den diversen Baustellen rund um den Stadtkern, die das Ergebnis verzerrten. „Das haben wir vorher nicht als so großes Problem gesehen. Aber das war eine Fehleinschätzung“, räumte Tauras ein. Mehrere Verzögerungen seien ebenfalls nicht vorhersehbar gewesen, zum Beispiel durch die Giftbelastung der Wittorfer Straße, die defekten Kanäle sowie die nicht erschienene Baufirma in der Wasbeker Straße (der Courier berichtete). „Darüber bin ich supersauer! Aber es gibt Firmen, die zahlen lieber die Vertragsstrafe und kommen einfach nicht, wenn sie ein besseres Angebot kriegen“, sagte Tauras.

Der OB will den Versuch erst wieder aufnehmen lassen, wenn die Innenstadt „weitgehend baustellenfrei“ ist. Dafür soll es eine engere Koordination der Termine mit den Stadtwerken geben. Die hätten ihre Planung der Fernwärmesanierung in diesem Jahr nicht mehr verändern können, sagte der OB. Und noch eine Besserung gelobte Tauras gestern: Die Kommunikation mit Bürgern, Anliegern, Geschäftsleuten soll besser werden. „Das können wir besser machen“, meinte der OB. Vor dem Bürgerentscheid soll es außerdem noch eine große Informationsveranstaltung für die Bürger geben.

Den zweiten, kleinen Verkehrsversuch möchte Tauras gern abblasen. Eigentlich ist beschlossen, während des Großflecken-Versuchs den stadtauswärts fließenden Verkehr testweise vom Kuhberg über Kieler und Johannistraße zum Bahnhof umzulenken. „Aber wir glauben, dass man das auch zuverlässig simulieren und berechnen kann, ohne es real zu testen. Ein Planungsbüro macht das gerade“, sagte Tauras. Er will dem zuständigen Bauausschuss vorschlagen, auf den Test zu verzichten.

Kommentar

Der Handel und die Marktbeschicker haben sich durchgesetzt und bekommen (voraussichtlich) zumindest für das Weihnachtsgeschäft wieder die alte Verkehrslösung zurück. Das ist gut so, denn die Kombination mit den Baustellen ist tödlich. Die Kaufleute sind aber gut beraten, sich nicht darauf auszuruhen. Zurück in die Zukunft – das ist keine Dauerlösung. Das ECE kommt, und der Großflecken wird entweder autofrei oder eine Straße mit Dauerstau. Das klingt wie Pest oder Cholera, muss es aber nicht sein. Der Handel sollte die gleiche Energie, die er auf den Abbruch des Verkehrsversuchs verwendet hat, in die Entwicklung neuer Konzepte investieren. Das ECE wird einheitliche Öffnungszeiten, einen klaren Marktauftritt, einen Gutschein für alle Geschäfte, ganz viel Marketing und Erlebnisfaktor haben. Die Innenstadt hat auch einiges zu bieten. Sie sollte sich dessen bewusst sein und ebenfalls eine klare, einheitliche Linie fahren. Alle zusammen.

Thorsten Geil

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erstellt am 25.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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