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Seniorenmagazin : Verkabelt von den Ohren bis zum Handy

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Abwesende Blicke gehen ins Nichts, schnelle Finger gleiten über eine Tastatur: In Amerika ist alles auf die Nutzung digitaler Medien eingerichtet

von
erstellt am 27.Sep.2013 | 09:30 Uhr

Ich war im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und habe sie alle gesehen, alle, die in ihrer eigenen Welt leben. Verkabelt von den Ohren bis zu irgendwelchen Tablets, Handys, Laptops und ich weiß nicht was. Sie fahren U-Bahn, Bus und Fahrrad, nebenbei können sie auch noch Nahrung zu sich nehmen, wahrscheinlich hat deshalb jemand in weiser Voraussicht „Fast Food“ erfunden.

Abwesende Blicke gehen ins Nichts, schnelle Finger gleiten über eine Tastatur, die mir als gelernte Schreibmaschinenschreiberin fremd ist. Ich beobachte vier Leute, sie fallen in eine Sitzgruppe, und schon beginnt das Kommunizieren. Aber nicht miteinander, sondern jeder mit seinem Handy – vielleicht haben sie sich doch gegenseitig angerufen, angesimst oder angefacebookt? Und merken nicht, dass der Gesprächspartner neben ihnen sitzt.

Mütter und Väter mit quengelnden Kindern am Arm sind gefangen in ihrer digitalen Welt, nehmen die Umwelt nicht mehr wahr. Sollte doch mal ein verbaler Austausch stattfinden und es ergibt sich der Ansatz einer Frage – wird sofort gegoogelt.

Mit unserer Reisegruppe entdecken wir in einem Hotel eine festliche Gesellschaft und ein Schild: „Post Wedding Breakfast“. Fragende Blicke eines jungen Mannes neben mir „Was ist das denn?“ Die Antwort kommt aus meinem eigenen Gehirn und vorlaut sage ich: „Das bedeutet Frühstück nach der Hochzeitsfeier.“ Er schnell wie der Blitz googelt „post“ und strahlt mich an: „Stimmt, heißt „danach oder hinterher“. Sag ich doch!

Problematisch würde es wohl werden, wenn versäumt wird, die Akkus rechtzeitig aufzuladen. Aber auch da ist vorgesorgt. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. An den Flughäfen gibt es Ladestationen, an denen mehrere Leute gleichzeitig ihr digitales Gehirn aufladen können. Sollten alle Anschlüsse belegt sein, so setzt man sich auf den Fußboden und nimmt einfach die Steckdose in Bodennähe, die wohl eigentlich für den Staubsauger der Putzfrau vorgesehen ist.

Mein Ausflug in die digitale Welt wird gekrönt von der Frage einer jungen Frau: „Können Sie mir sagen, wie spät es ist? Ich hab mein Handy nicht mit.“ Ich kann es ihr sagen, ich hab zwar auch kein Handy, aber ich habe eine ganz normale Armbanduhr mit Zeigern und Zahlen.


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